Pflegeklischees: Die Gesellschaft muss endlich umdenken

Charline Charline Baselt
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Es ist auch viel zu einfach: Pflegekräfte quatschen ständig mit ihren Kolleg*innen und trinken ununterbrochen Kaffee. Nebenbei wischen sie alten Menschen noch den Hintern ab aber das wars dann auch. Schluss! Was für einige kaum zu lesen ist, ist leider in vielen Köpfen genau so noch verankert. Leider sind viele Menschen in ihrer Denkweise bequem und sprechen Pflegekräften Klischees zu, die so einfach nicht stimmen. In den letzten Monaten haben wir eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie die Pflegecommunity wirklich tickt. Wir räumen mit den Pflegeklischees auf!

 

Als Pflegekraft stumpft man früher oder später ab

Pflegeklischee Nummer 1: Pfleger*innen stumpfen in ihrer Arbeit irgendwann ab. Pflegekräfte haben täglich mit emotionalen Geschichten zu tun. Tod und Leben liegen nah beieinander. Um ihre Professionalität zu gewährleisten, wahren sie oft eine „kühle” Distanz, die von der Gesellschaft als „abstumpfen” gewertet wird. Pfleger*innen sehen sich oftmals sehr extremen Situationen gegenüber, doch genau in diesen Momenten müssen sie schnell reagieren und denken nur an das Wohl der zu behandelnden Person. Gefühle würden ihnen in diesen Momenten im Weg stehen und deswegen lassen viele diese Geschehnisse nicht so stark an sich heran. Zumindest für den Moment. Viele berichten uns davon, dass sie oftmals Wochen nach einer extremen Situation das Ganze erst verarbeiten, da sie in diesem Moment nur auf den oder die Patient*in fokussiert sind. Das bedeutet also nicht, dass Pfleger*innen „kalt” oder „gefühllos” sind, es bedeutet einfach nur, dass sie versuchen in dem Moment das Beste für die Person zu gewährleisten. Übrigens haben ca. 85% der Befragten angegeben, im Umgang mit Menschen stets verständnisvoll zu sein und mehr als die Hälfte(54,2%) der Befragten nehmen sich gerne den Problemen von Kolleg*innen an. Die Gesellschaft muss lernen Situationen, die sie selbst nur aus Erzählungen kennen, direkt zu bewerten und mit Pflegeklischees aufzuwarten.

Pflegekräfte stehen nicht für sich ein

Pflegeklischee Nummer 2: Pflegekräfte reden anderen nach dem Mund und haben keine eigene Meinung. Leider denken viele in der Gesellschaft so und wir haben häufig Nachrichten wie diese gelesen. Es ist einfach zu sagen, dass Pflegekräfte mehr für sich selbst machen müssen, sich wehren sollen weil sich ja sonst nichts ändert. Dabei ist es eben genauso schon. Pflegekräfte wie Dominik Stark, Blendina oder Carolin und viele weitere setzen sich täglich auf den sozialen Netzwerken oder in Interviews für das Image der Pflege ein. Dabei behandeln sie Tabuthemen wie Rassismus, Mobbing oder die Bewältigung von extremen Fällen in ihrem Pflegealltag. Wie gesagt, sind sie nicht die einzigen, viele weitere kämpfen täglich für bessere Arbeitsbedingungen oder ein besseres Image in der Pflege. Dabei ist es für sie erschwerend, wenn sie dann noch mit solchen Pflegeklischees konfrontiert werden.

Pflegekräfte wischen nur Hintern ab

Pflegeklischee Nummer 3: Pflegekräfte wischen alten Menschen doch eh nur den Hintern ab, mehr nicht. Man könnte so langsam meinen, dass dieses Pflegeklischee der Vergangenheit angehört, leider müssen sich Pfleger*innen diesen Satz noch immer anhören. Hierfür würden wir gerne einmal nur die Grundpflege kurz aufzeigen: Körperpflege, Hilfe bei der Ernährung, Förderung der Mobilität, prophylaktische Tätigkeiten und die Förderung der Selbstständigkeit. Doch, das ist noch nicht alles. Hier kommen weitere Aufgaben von Pflegekräften, die gerne vergessen werden:

  • Erhebung und Feststellung des Pflegegrads
  • Übergabe zwischen Schichten, Aufgaben an andere Pflegekräfte delegieren
  • Überwachung und Sicherstellung der Qualität der medizinischen Versorgung
  • Diagnostik und Patient*innenüberwachung
  • Durchführen von präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen
  • Beratung und Betreuung der Angehörigen und Patient*innen
  • Direktes Handeln bei akuten Notfällen
  • Medikamente vorbereiten, Vitalwerte messen und Infusionen vorbereiten
  • Versorgung von Wunden
  • Dokumentation

Zudem kommen dann die Überstunden, durch den Personalmangel, die Patient*innen, die nicht mehr versorgt werden können, weil sie nicht mehr hinterherkommen und die massive mentale aber auch körperliche Belastung durch diese Umstände. Patient*innen den Hintern abwischen wäre ein Traum dagegen.

Pflegekraft – mehr als ein Beruf

Pflegekräfte sind geduldig, emphatisch und professionell aber auch mal lebhaft oder redselig. Vor allem sind sie aber auch für ihre Patient*innen da, fast 65% unserer Befragten gaben an, dass sie sich gerne mit ihren Patient*innen zusammensetzen und ihnen zuhören. Hierfür bleiben viele länger auf der Arbeit und verzichten ganz bewusst auf ihr Privatleben, weil sie wissen, wie viel das ihren Patient*innen bedeutet. 64,6% unserer Befragten gaben an, dass ihre Arbeit sie erfüllt. Trotz der Rückschläge und harten Bedingungen gehen Pfleger*innen ihrem Job nach und das mit Leidenschaft, für einige mag das ein Teufelskreis sein aber Pfleger*innen handeln meistens im Sinne ihrer Patient*innen und diese können sie nicht einfach hängen lassen. Es ist also an der Gesellschaft sich zu ändern und mit gehaltlosen Pflegeklischees um sich zu werfen. Wenn wir alle an einem Strang ziehen und uns nicht gegenseitig im Weg stehen, kann die Pflege das schaffen. Dafür kämpfen wir täglich, denn Pflegekraft ist mehr als ein Beruf.

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