Dominik Stark über die Pflege: „Als einzelne Person können wir nicht eine ganze Branche verändern!“

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Dominik ist gelernter Fachgesundheits- und Krankenpfleger für die Intensivpflege und Anästhesie und ist mittlerweile seit über acht Jahren in der Pflege tätig. In dieser Zeit merkte er schnell, dass die Arbeitsbedingungen dem Pflegeberuf nicht gerecht werden. Mit über 6500 Followern auf Instagram, nutzt der 31-Jährige die Plattform und die Reichweite, um über den Beruf aufzuklären   und vor allem junge Menschen für die Pflege zu begeistern. Gleichzeitig setzt er sich aktiv für bessere Arbeitsbedingungen ein. 

Über Umwege in die Pflege reingerutscht

Seinen ersten Einblick in den Pflegeberuf bekam Dominik durch ein Praktikum, welches er im Krankenhaus absolvierte. Nach seinem 2–jährigen Au-Pair Aufenthalt in den USA entschied er sich relativ schnell dazu ein freiwilliges soziales Jahr im Krankenhaus zu absolvieren: „Als ich wieder hier war, habe ich alles reflektiert und mich gefragt, was mir denn besonders liegt. Nach dem FSJ habe ich gemerkt, dass es absolut mein Ding ist und ich die Pflege mega toll finde.“ Kurz danach hat er die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger begonnen und von 2019 bis 2021 noch das Fachexamen gemacht.

Ausbildung: Erwartung vs. Realität

Dadurch, dass Dominik bereits während seines Praktikums und des Freiwilligen sozialen Jahres ein wenig Erfahrung im Krankenhaus sammelte, dachte er, dass ihm der Einstieg und die Ausbildungszeit generell einfacher fallen wird. In der Realität sah es dann doch etwas anders aus: „Klar hatte ich gewisse Vorteile, da ich das ganze Krankenhaus Setting schon kannte und auch einige Tätigkeiten beherrschte. Aber anfangs waren die anatomischen Inhalte und auch die pflegerischen Tätigkeiten, die wir lernen mussten, etwas viel und überfordernd. Was mich am meisten erschrocken hat, war aber der Umgang mit uns Auszubildenden. Nicht jede Station hat sich immer gut verhalten. Für mich ist es jetzt wichtig, Auszubildende so gut wie möglich zu behandeln, weil ich es auch anders kenne.“ Trotzdem war sich Dominik von Anfang an immer sicher, dass er diesen Beruf weiter lernen möchte.

„Die Verantwortung und Herausforderung in der Intensivpflege hat mich gereizt“

Dominik absolvierte sein Examen auf der Intensivstation und ist auch nach Abschluss seiner Lehre in den Bereich gegangen. Trotz einiger Herausforderungen fand Dominik seine Leidenschaft in der Intensivpflege: „Zum einen ist die technische Affinität gefragt und zum anderen musst du Menschen in hochkomplexen Situationen betreuen. Menschen bis ans Lebensende zu versorgen war anfangs eine große Herausforderung für mich, aber ich habe gemerkt, dass ich es einfach ziemlich gut kann.“ Trotz Erfahrung und Leidenschaft geriet auch Dominik während seiner beruflichen Karriere in Grenzsituationen, die ihm viel Kraft gekostet haben: „Einer der größten Herausforderungen war definitiv die Corona-Pandemie. Die Reaktion und das Handeln der Gesellschaft, dann war ich zu der Zeit in der Weiterbildung, musste also unglaublich viel lernen. Und zusätzlich kam noch die Belastung auf der Arbeit, die wirklich außergewöhnlich war. Die Kombination hat es mir echt nicht leicht gemacht.“

„Ich möchte den Beruf greifbarer machen“

Schon während seiner Ausbildung realisierte Dominik, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessert werden müssen. Daher setzte er sich damals schon politisch aktiv ein: „Damals war ich schon stellvertretender Vorsitzender der Jugendauszubildendenvertretung und habe die ersten Schritte Richtung Berufspolitik gemacht.“ Besonders während der Pandemie wurden ihm die Probleme in der Pflege immer mehr bewusst, aber eine Plattform zum Aufklären hatte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Durch Zufall traf er auf eine Redakteurin, die Videostatements für ein Format von Joko und Klaas brauchte. Dominik ergriff seine Chance und sendete ein Statement zu: „Es ging um die Pflege in Deutschland und ich war letztendlich auch im Video „Pflege ist #NichtSelbstverständlich“ zu sehen. Auf einmal habe ich über Nacht mehr als 100 Nachrichten bekommen und da dachte ich mir dann, dass ich das doch gut nutzen kann. Ich brenne für den Beruf und versuche seitdem so viel wie möglich für die Pflege zu tun.“ Seinen Instagram Account nutzt der 31-Jährige hauptsächlich, um über die Pflege aufzuklären, auf die Missstände und Probleme aufmerksam zu machen und gleichzeitig einen Einblick in den Beruf zu gewähren.

„Als Pflege-Influencer werde ich alleine nichts schaffen“

Mit seiner Reichweite, die er in den letzten Jahren aufgebaut hat, möchte Dominik verstärkt auf die Probleme aufmerksam machen und kämpft gleichzeitig für bessere Arbeitsbedingungen. Mithilfe der Gewerkschaft ver.di stellte Dominik mit vielen anderen Pflegekräften einen Streik auf die Beine, wo sie für bessere Arbeitsbedingungen kämpften. „Dadurch konnten wir auch mediale Präsenz erlangen und haben das nur geschafft, weil wir uns zusammen geschlossen haben und gemeinsam gekämpft haben“, betont Dominik.

Die mediale Präsenz ist jedoch sehr schnell wieder weggefallen und bessere Arbeitsbedingungen spürt der 31-Jährige ebenfalls nicht: „Die Probleme, über die wir großflächig berichtet haben, sind schon wieder vergessen. Das ist sehr traurig, aber wir müssen dran bleiben und weiter kämpfen.“ Auch von der Gesellschaft und der Politik fordert Dominik mehr Unterstützung. Bei Demonstrationen, Streiks und Petitionen kann die Gesellschaft teilhaben und mehr Unterstützung zeigen: „Ich habe immer gehofft, dass so ein Hype entsteht, wie bei den Fridays for Future Demonstrationen, weil wir genau sowas für die Pflege brauchen. Wir müssen alle viel lauter werden und die Politik praktisch dazu zwingen, das System zu verbessern.“

Dominik appelliert klar an die Gesellschaft und fordert gleichzeitig ein politisches Mitspracherecht, bei Entscheidungen im Pflegeberuf. „Einer der wichtigsten Veränderungen müssen wir Pflegekräfte selbst vornehmen. Wir müssen aktiv werden und uns dafür einsetzen den Beruf zu verbessern. Nur dann können wir erwarten, dass die Gesellschaft hinter uns steht, wenn wir als Berufsgruppe füreinander stehen.“

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