Rassismus in der Pflege: „Sie sprechen ja richtig gutes Deutsch.“

Rassistische Anfeindungen und Intoleranz. Dem sind auch viele Pflegekräfte in Heimen und Kliniken ausgesetzt. In Deutschland fällt besonders deutlich auf, dass es eine häufige Ungleichbehandlung zwischen Kräften mit Migrationshintergrund und denen ohne ausländische Abstammung gibt. Sie sind häufiger Kritik ausgesetzt und werden von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen manchmal sogar schlechter behandelt. Zwar gibt es auch positive Beispiele, die zeigen, dass Rassismus in der Pflege nicht toleriert wird, jedoch muss vielerorts noch ein großes Umdenken stattfinden.

Unser Blogpost basiert auf dem Artikel „Hausverbot nach rassistischen Sprüchen“ von pflege.online sowie dem Artikel „Streng, aber herzlich“ aus dem Magazin der Pflegekammer Rheinland-PfalzDie Links zu den ursprünglichen Beiträgen findest du am Ende dieses Beitrages. 

RASSISMUS IN DER PFLEGE: IMMER EIN AKTUELLES THEMA

Rassismus begegnet uns oft im Alltag und ist leider immer ein aktuelles Thema. Gerade Personen, die selbst einen Migrationshintergrund haben, erfahren im Alltag häufiger rassistische Anfeindungen als man denkt.
Deutschland ist schon seit vielen Jahrzehnten von Einwanderung geprägt und viele Personen mit Migrationshintergrund leben bereits in zweiter oder dritter Generation in Deutschland, jedoch macht der Alltagsrassismus auch vor ihnen nicht Halt. Er kann sich durchaus unterschiedlich äußern. Beispielsweise, wenn ein Mensch mit erkennbarem Migrationshintergrund sehr gute Deutschkenntnisse besitzt, etwa weil er schon sein ganzes Leben hier lebt. Bemerkungen wie „Sie sprechen ja richtig gutes Deutsch.“ sind zwar positiv gemeint, jedoch schwingt darin auch gleichzeitig eine ausgrenzende Note mit. Wenn man von Migranten abstammt, aber hier in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, so identifiziert man sich selbst als deutsch. Bloß, weil das Äußere auf den ersten Blick einen Hinweis auf die Abstammung aus einem anderen Land vermuten lässt, wird man oft darauf reduziert.

MEHR KRITIK UND ANFEINDUNGEN

Auch in der Pflege sind Anfeindungen aufgrund der eigenen Wurzeln zu spüren. Aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung ging hervor, dass Pflegekräfte mit Migrationshintergrund oftmals unter schlechteren Arbeitsbedingungen tätig sind und im Vergleich zu ihren deutschstämmigen Kollegen auch häufiger unbezahlte Überstunden machen. Darüber hinaus würden sie auch öfter in den Zimmern der Patienten und Bewohner putzen und seien am Abend körperlich erschöpfter. Besonders deutlich wurde aus der Studie ebenfalls, dass der Umgang Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen mit Pflegepersonal, das erkennbar aus Osteuropa stammt, vermehrt von Unterschieden geprägt ist: Sie sind weitaus häufiger Kritik und rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Nur 14% der befragten Pflegekräften, die aus dem Ausland stammen, gaben an an täglichen Besprechungen beteiligt zu sein, unabhängig von ihrer fachlichen Qualifikation. Dahingegen waren es bei den befragten deutschstämmigen Pflegenden 37%, die an regelmäßigen Absprachen mit ihrem Chef teilnehmen.

GEGEN RASSISMUS UND FÜR VIELFALT

Es kann aber auch ganz anders laufen. Ein positives Beispiel dafür, dass Rassismus nicht toleriert wird und Vielfalt in der Pflege gut funktioniert ist die Station B0 des St. Marien-und St. Annastiftskrankenhauses in Ludwigshafen. Seit 2016 obliegt die Leitung der gebürtigen Südkoreanerin Sun Young Yang-Scharf und sie geht ihrer Arbeit mit „Herz und Verstand“ nach, wie sie selbst sagt. Als sie die Leitung der Station übernahm, war für sie klar, dass sie diese neu aufstellen wollte. Bei der Einstellung neuer Kräfte, sollten alle Menschen berücksichtigt werden, die fachlich qualifiziert sind, das Sprachniveau B2 besitzen und gut ins Team passen. Mittlerweile arbeiten auf der Station B0 16 Personen, von denen zehn einen Migrationshintergrund haben. Sun Young weiß selbst, wie schwer es sein kann, wenn man aus einem anderen Land und einem anderen Pflegesystem kommt. Je nachdem woher die Pflegekräfte kämen, seien sie aus ihrer Heimat einen anderen Stellenwert ihres Berufes gewohnt und erlebten in Deutschland eine Art Kulturschock.

MIT UNTERSTÜTZUNG UND TOLERANZ

Der gebürtigen Südkoreanerin ist es wichtig ihre Mitarbeiter in ihrer eigenen Souveränität zu stärken und dass sie ein sicheres Auftreten lernen. Neuen Kollegen wird deshalb direkt von Anfang an unter die Arme gegriffen und geholfen sich im Team und auf Station einzufinden. Die Station ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass ein Team voll und ganz zusammenhält und jedem eine Chance gibt, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe.

VON DIVERSITÄT KANN MAN AUCH PROFITIEREN

Zudem kann eine Station, die von solch vielen verschiedenen Kulturen geprägt ist auch von diesen profitieren. Unterschiedliche Herkunftsländer und unterschiedliche Erfahrungen fördern die Kreativität und sorgen für eine umfassende Betrachtungsweise, wenn es um Entscheidungen geht. Die Mitarbeiter der Station unter der Leitung von Sun Young Yang-Scharf arbeiten in einem harmonischen Kollektiv und für rassistische Bemerkungen ist hier kein Platz, denn auch die Geschäftsführung schreitet in solchen Fällen ein und greift durch. So ist es bereits vorgekommen, dass Patienten aufgrund ausländerfeindlicher Äußerungen das Haus verlassen mussten.

So wie auf der Station des St. Marien-und St. Annastiftskrankenhauses könnte es auch in anderen Häusern laufen. Zwar ist das Thema Rassismus nach wie vor ein aktuelles Problem in der Pflege, aber positive Fälle wie die Station B0 beweisen, dass durchaus dagegen vorgegangen werden kann. Es wird Raum für Toleranz geschaffen und dem Rassismus keine Chance gegeben! Denn was bei guter Pflegearbeit eigentlich eine Rolle spielen sollte, ist die fachliche Qualifikation und Menschlichkeit! Bleibt die Hoffnung, dass in Zukunft der Alltagsrassismus in der Pflege eingedämmt werden kann und ein allgemeines Umdenken stattfindet.

QUELLEN:

pflegen-online „Hausverbot bei rassistischen Sprüchen“www.pflegen-online.de 

Kammermagazin 17/2019 „Streng, aber herzlich“: www.pflegemagazin-rlp.de

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