03 Mai 2024

Rauchen in der Pflege: Warum so viele Pflegekräfte zur Zigarette greifen

Symbolbild: Rauchen in der Pflege: Eine Hand, die eine angezündete Zigarette hält.
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Während der Anteil an Raucher*innen in Deutschland bei rund 23% liegt, weist der Pflegebereich eine deutlich größere Zahl auf: Laut einer Studie von „Psyma Health & Care“ (2019) raucht knapp jede dritte Pflegekraft (31%) und jede*r zweite Auszubildende (>50%). Spiegeln diese Statistiken auch die Situation in eurem Pflege-Team wider? In unserer PKM-Community-Umfrage zu der Thematik gaben knapp 40% an, Raucher*in zu sein.

Angesichts dieser Daten haben wir uns einige Fragen gestellt: Wieso sind die Zahlen in der Pflege so hoch und warum fällt es vielen Pflegekräften so schwer, mit dem Rauchen aufzuhören?
In diesem Beitrag wollen wir diese Fragen beleuchten und euch zusätzlich ein paar Tipps geben, die euch dabei unterstützen können, mit dem Rauchen aufzuhören.

Warum rauchen so viele Pflegekräfte?

Mehr als die Hälfte der Befragten in der Psyma-Studie sowie knapp 50% unserer Community glauben, es gäbe eine Korrelation zwischen ihrem Beruf als Pflegekraft und ihrem Raucherverhalten – damit liegen sie vielleicht gar nicht mal so falsch. Pflegekräfte sind sehr häufig Stresssituationen ausgesetzt, da sie viel Verantwortung tragen, konstant unter Zeit- und Leistungsdruck stehen und sich oftmals mit launischen Patient*innen und Angehörigen herumschlagen müssen. Dazu kommen spontane Änderungen im Schichtplan, Personalausfälle und eine meist chronische Unterbesetzung. Da ist es nicht verwunderlich, dass so viele Pflegekräfte zur Zigarette greifen, um Stress abzubauen. 28% der befragten Pflegekräfte aus der Psyma-Studie nannten Stressreduktion als Hauptgrund für ihr Rauchverhalten, in unserer Community-Umfrage lag der Anteil sogar bei 68%.

Ca. 35% gaben in der Psyma-Studie an, aufgrund des Gemeinschaftsgefühls zu rauchen. Sie genießen es, sich während der Rauchpause mit Kolleg*innen auszutauschen. Genau das – die Tatsache, dass Raucher*innen häufiger mal vor die Tür gehen und insgesamt mehr Pause machen – kann laut Christa Rustler, Geschäftsführerin des Deutschen Netzes Rauchfreier Krankenhäuser & Gesundheitseinrichtungen (DNRfK e.V.), für einige Pflegekräfte ein Anreiz sein, mit dem Rauchen anzufangen oder damit weiterzumachen. Die Vorteile scheinen zu überwiegen und die Nachteile werden schnell ausgeblendet.

Zudem ist Rustler der Meinung, viele neue Pflegekräfte bzw. Auszubildende würden das Rauchen aufnehmen, weil sie es bei anderen Pflegekräften sehen und dadurch den Eindruck bekommen, es sei üblich – so wird Rauchen in der Pflege normalisiert.

Rauchen als Auslöser für Konflikte zwischen Pflegekräften und Patient*innen

Neben gesundheitlichen Problemen kann das Rauchverhalten von Pflegekräften auch anderweitige Konsequenzen haben. 50% der in der Psyma-Studie befragten Pflegekräfte berichten, es hätte schon einmal Konflikte unter Kolleg*innen gegeben. Unter anderem aufgrund des Rauchgeruchs, der sich auf Haut, Haaren und Kleidung absetzt oder weil Nicht-Raucher*innen das Gefühl haben, sie müssen die Arbeit der Raucher*innen auffangen. Auch unsere Community bestätigt, dass es sehr oft (14%) oder hin und wieder mal (42%) aufgrund des Rauchverhaltens von Pflegekräften zu Streitigkeiten kommt.

Aber nicht nur innerhalb des Pflege-Teams kommt es zu Auseinandersetzungen. 50% der Pflegekräfte aus der Psyma-Studie gaben an, dass es bei dem Kontakt mit Patient*innen oder Bewohner*innen eines Pflegeheims öfter zu Problemen und Auseinandersetzungen kommt, die durch das Rauchverhalten der Pflegekräfte ausgelöst werden.

Warum möchten viele Pflegekräfte nicht mit dem Rauchen aufhören?

Etwa 57% der rauchenden Pflegekräfte aus der Psyma-Studie haben noch nie versucht, mit dem Rauchen aufzuhören. Auch in unserer Community gibt es 33%, die noch keinen Versuch gestartet haben. Wir haben uns gefragt, woran das liegen könnte. Möglicherweise daran, dass viele eben diese Möglichkeit zum gemeinschaftlichen Austausch nicht aufgeben möchten oder keine andere Alternative finden, um mit dem stressigen Arbeitsalltag klarzukommen.

Es könnte aber auch daran liegen, dass eine umfassende Aufklärung über die gesundheitlichen Schäden und Risiken des Rauchens fehlt. Nur 39% der Befragten aus der Psyma-Studie wussten, was genau das Rauchen so gesundheitsgefährdend macht – der Hauptgrund sind die schädlichen Stoffe, die bei der Verbrennung von Tabak freigesetzt werden, nicht das Nikotin.
Knapp 50% der Pflegekräfte unserer Community berichten ebenfalls, dass sie während ihrer Pflegeausbildung nur am Rande (27%) oder gar nicht (23%) über die Risiken und Gefahren des Rauchens aufgeklärt wurden.

Auch das Konzept zur Tabak-Schadensminimierung (Tobacco Harm Reduction) ist den meisten Befragten der Psyma-Studie eher ein Fremdwort: Knapp 46% fühlen sich dahingehend überhaupt nicht informiert und weitere 47% nur mittelmäßig. Dieses Konzept möchte den Tabak-Konsum reduzieren, indem Raucher*innen von Zigaretten auf weniger schädliche Alternativen umsteigen.
Nachdem die Befragten zu diesem Konzept aufgeklärt wurden, gab ein Großteil (84%) an, sie könnten sich (potenziell) einen Wechsel vorstellen. 16% haben Angst, ein Umstieg wäre teurer, komplizierter, eventuell sogar ungesünder oder würde nicht das gleiche Erlebnis mit sich bringen.
In unserer Community könnten sich lediglich 36% einen Umstieg vorstellen, 40% geben an, sie hätten kein Interesse an Alternativen.

Wie kann der Pflegebereich rauchfreier werden?

Eine umfassende Aufklärung über Gesundheitsrisiken in der Pflegeausbildung könnte bereits viel bewirken. So könnten angehende, bisher nichtrauchende Pflegekräfte erreicht und davon abgehalten werden, überhaupt erst mit dem Rauchen anzufangen.
Zudem wird in den medizinischen Leitlinien empfohlen, bei einem Versuch, rauchfrei zu werden, Verhaltenstherapien oder medikamentöse Therapien in Betracht zu ziehen. Dies sind Hilfsmittel, die weniger als ein Drittel der Pflegekräfte in der Psyma-Umfrage überhaupt kannten.
Aus der PKM-Community haben wir auch einen tollen Tipp bekommen: das Buch “Endlich Nichtraucher” von Allen Carr. Eine Pflegekraft berichtet:

“Ist nicht dick, hat kein ’Programm’, das man irgendwie machen muss, auch keinen Zeitplan, man muss auch nicht aufhören, während man das Buch liest. Aufhören war überhaupt kein Problem. Ich hab’ die letzte Seite gelesen, Kippen und Feuerzeug weggeschmissen und seitdem keine mehr geraucht und hatte auch nicht das Bedürfnis, eine zu rauchen. Ich kann ohne Probleme bei Rauchern stehen, juckt mich alles nicht.”

Natürlich gibt es im Internet auch einige Plattformen und Webseiten, die euch helfen können, um mit dem Rauchen aufzuhören. Checkt z.B. mal rauch-frei.info aus, ein Angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Dort könnt ihr an einem kostenlosen Programm teilnehmen oder euch in einer Community zu dem Thema austauschen.

Bist du Raucher*in

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