09 Mai, 2022

Umfrage: Das Gleichgewicht in der Pflege ist komplett außer Kontrolle

Charline Сharline
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Pflegerin fässt sich an die Stern vor Erschöpfung
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Ende letzen Jahres haben wir euch gebeten, an unserer Umfrage teilzunehmen. Inhalt dieser Umfrage war das Effort-reward-imbalance-Modell, kurz ERI-Modell genannt. Dieses veranschaulicht an unterschiedlichen Fragen das Verhältnis von Stress im Arbeitskontext und die dafür entgegengebrachte Wertschätzung. Wir danken euch für euere Teilnahme und ehrlichen Antworten. Leider sind die Ergebnisse alles andere als schön. Was sollen wir sagen: Sie sind traurig und niederschmetternd. Die gesamte Umfrage, mit detaillierten Ergebnissen findet Ihr am Ende unseres Beitrags.

Zeitdruck, viel Verantwortung und wenig Anerkennung

Fast 94% der Befragten gaben an, dass sie während der Arbeit ab und an oder immer unter hohem Zeitdruck stehen. Dabei haben sie nicht nur eine immense Verantwortung, was wiederum knapp 96%  komplett oder zum Teil bejahen, sondern sie werden in den meisten Fällen durch andere Personen oder plötzliche Ereignisse gestört. Das hat wiederum zur Folge, dass Pflegekräfte ihre Konzentration verlieren, weil sie sich auf viele Dinge gleichzeitig fokussieren müssen. Dem gegenüber stehen die Erwartungen der Vorgesetzten, denen Menschen aus der Pflege gerecht werden wollen. Noch schlimmer ist jedoch, dass es am Ende der ganzen Arbeit keine bis wenig Wertschätzung gibt. So geben in unserer Umfrage nämlich gerade einmal knapp 34% an, eine angemessene Anerkennung von ihren Teamleitungen oder Vorgesetzten zu bekommen. Unverhältnismäßig, wenn man bedenkt, welche Arbeit Pflegepersonal tagtäglich leistet und welche menschlichen Schicksale daran geknüpft sind.

Überstunden: eine Selbstverständlichkeit

Die Zahlen werden nicht besser: 44% der Teilnehmer*innen fühlen sich gezwungen, regelmäßig Überstunden zu machen. 36% der Befragten haben dieser Aussage sogar voll und ganz zugestimmt. Kein Wunder, denn der Pflegenotstand verschwindet nicht von heute auf morgen und so kommen im Durchschnitt 13 Patient*innen auf eine Pflegekraft in Deutschland. Zum Vergleich, in den USA sind es hingegen knapp fünf. Zu der körperlichen Belastung, die in unserer Umfrage fast alle, mit ca. 92% bestätigt haben, kommen die psychischen Auswirkungen. Nicht umsonst warnen Freunde und Familienangehörige die Betroffenen davor und reden von einer Aufopferung. Rund 77% der Befragten haben uns bestätigt, dass Nahestehende ihnen mehrfach gesagt haben, sie würden sich für ihren Job zu sehr aufopfern. All das kommt zusammen und steht in einer enormen Unverhältnismäßigkeit, denn knapp 83% der Befragten gaben an, dass sie das Gehalt im Verhältnis ihrer geleisteten Arbeit als wenig bis gar nicht angemessen finden.

Passend dazu: Pflege im Ländervergleich

Sollten Pflegekräfte mehr für sich selbst einstehen?

Pflege ist nicht selbstverständlich

Aktionen, wie sie erst vor einem Jahr von Joko und Klaas auf ProSieben gezeigt wurden, geben der Welt da draußen Einblicke, was das Personal im Gesundheitswesen tagtäglich leistet und auch schlichte Darstellung unserer Zahlen soll die Gesellschaft ein weiteres Mal zeigen, dass Pflege mehr als ein Beruf ist. In unserer Umfrage haben wir euch unter anderem gefragt, ob ihr nach der Arbeit abschalten könnt. Das haben knapp 67% mit „stimmt nicht zu” oder „stimmt gar nicht zu” angegeben. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass viele in der Pflege die Belastung aus dem Job zusätzlich noch mit in ihre sowieso schon spärliche Freizeit nehmen und die Probleme immer weiter in sich tragen: Burnout vorprogrammiert.

Das Ende der Pflege?

Die Ergebnisse der Umfrage sprechen für sich, dennoch gibt es immer zwei Seiten der Medaille. Es gibt viele Geschichten und Persönlichkeiten aus der Pflege, die uns zeigen, wie wundervoll der Job nach wie vor ist. Jedes positive Beispiel sollte jedoch endlich als Richtwert von anderen gesehen werden. Die Anerkennung für den Beruf in der Pflege ist gestiegen aber wir sind noch immer nicht dort, wo wir sein wollen. Um das zu erreichen arbeiten wir aber täglich gemeinsam am Image und das können wir vorrangig dann, wenn wir über die Situation sprechen. Gebt weiterhin Einblicke aus eurem Pflegealltag, nehmt an Umfragen teil, die das reale Bild der Pflege darstellen wollen und seid laut. Dafür gibt es auch uns. Wir geben euch die Plattform, wir geben euch eine Stimme! Gemeinsam für die Pflege.

Hier gelangt Ihr zur gesamten Umfrage mit allen Ergebnissen:

ERI Auswertung als PDF

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