14 Feb 2022

Pflege im Ländervergleich – was Deutschland sich abgucken sollte

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Eines haben Pflegekräfte überall auf der Welt gemeinsam: Sie stehen in einem wesentlich engeren Kontakt zu den Patient*innen und dessen Bedürfnissen, als Ärzte und Ärztinnen es können. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Pflegefachkräfte ausreichend medizinische Kenntnisse besitzen. Im Ausland sind die Tätigkeiten des Pflegepersonals jedoch viel umfangreicher als in Deutschland. Was können wir uns vielleicht von anderen Ländern abgucken?

 

Vergleich mit anderen Ländern: Deutschland ist das Schlusslicht

Deutschland liegt im Ländervergleich im Bereich Pflege im Hinblick auf die Akademisierung und die Verantwortung bei der Patientenversorgung zurück. Das zeigt eine Studie aus dem Jahr 2019 der Stiftung Münch. Neben Deutschland kämpfen u.a. auch Großbritannien, Kanada, Schweden und die Niederlande mit dem Fachkräftemangel und mit der Sicherung der pflegerischen Versorgung bei steigendem Bedarf in allen Versorgungsbereichen. In anderen Ländern wird allerdings vermehrt in die hochschulische Aus- und Weiterbildung von Pflegefachkräften investiert. Während in Großbritannien und Schweden ein Bachelorabschluss die Voraussetzung ist, als Pflegekraft zu arbeiten, und in den Niederlanden bereits 45% der Pflegekräfte einen akademischen Abschluss vorweisen können, beläuft sich die Anzahl der Pflegekräfte mit abgeschlossenem Studium in Deutschland auf lediglich 1 bis 2%. Auch Maßnahmen zur Stärkung der Selbstorganisation und -verantwortung der Pflege sowie die Erweiterung pflegerischer Aufgaben- und Verantwortungsbereiche werden dort stärker gefördert.
Stephan Holzinger, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Münch, sieht hier Nachholbedarf. In Deutschland seien die Ärzt*innen den Pflegekräften gegenüber sehr dominant. „Pflegekräfte aus anderen Ländern sind es gewohnt, fachlich auf einem höheren Niveau zu arbeiten“, sagt Holzinger. Es sollten folglich in Deutschland mehr Pflegekräfte akademisch ausgebildet und ihnen mehr Kompetenzen eingeräumt werden.

Frankreich: mehr Wertschätzung für Pflegekräfte

In Frankreich sind die Arbeitsbedingungen von Krankenpflegerinnen und -pflegern noch schlechter als in Deutschland. Aber die Zahl der Bewerber für Krankenpflegeschulen in Frankreich ist in den letzten Jahren dennoch gestiegen. Ein entscheidender Faktor für diesen Anstiegt ist die Wertschätzung, die die französische Gesellschaft den Pflegeberufen entgegenbringt. Französische Pflegekräfte wissen, welche Verantwortung sie tragen und wie wichtig sie für die Gesellschaft sind. Außerdem besitzen die Franzosen weit mehr Berechtigungen, um technische und medizinische Handlungen durchzuführen als Fachkräfte in Deutschland.

Skandinavien: Kommunen verwalten die Pflege

In den skandinavischen Ländern werden die Pflegeeinrichtungen im Vergleich zu Deutschland nicht von kommerziellen Trägern, sondern von den Kommunen verwaltet. Aus diesem Grund herrscht kein Wettbewerb zwischen den Trägern und die Arbeitskräfte können besser bezahlt und zeitlich weniger belastet werden. Daher kümmern sich die skandinavischen Altenpflegekräfte im Schnitt auch um weniger Patient*innen als in Deutschland. Und dennoch stehen auch diese Länder vor dem Problem des steigenden Pflegebedarfs aufgrund der Überalterung der Bevölkerung. Im Vergleich zu Deutschland ist die Bevölkerungsentwicklung in den skandinavischen Ländern allerdings recht stabil.

Was kann Deutschland aus dem Vergleich lernen?

Der Vergleich zeigt: Auch wenn das Problem des Pflegenotstands die meisten Länder eint, gibt es verschiedene Ansätze, die Situation zu verbessern. Jedes Land ist mit einer anderen Ausgangssituation konfrontiert und muss eine individuelle Lösung entwicklen. Doch der eine oder andere Blick über die eigenen Landesgrenzen kann dabei helfen, neue Ideen zu entwickeln, die zur eigenen Situation passen.

Was könnte Deutschland umsetzen, um die eigene Situation im Pflegesektor zu verbessern?

Quellen:

Stiftung Münch: www.stiftung-muench.org/pflege-in-anderen-laendern-vom-ausland-lernen/

Ärzteblatt: www.aerzteblatt.de/nachrichten/Ruf-nach-mehr-Kompetenzen-fuer-Pflegekraefte

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