25 Apr 2024

WhatsApp in der Pflege: Warum der Messenger in Sachen Datenschutz problematisch ist

Junge Pflegekraft guckt auf das Handy, das sie in ihren Händen hält. Datenschutz WhatsApp Pflege
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WhatsApp: Alle kennen es, alle nutzen es. Auch in der Pflege verschicken viele täglich Nachrichten oder Medien über den Messenger-Dienst. Gibt es bei euch im Team auch einen WhatsApp-Gruppenchat? Eine Community-Umfrage von uns ergab, dass fast die Hälfte von euch WhatsApp nutzen, um mit Kolleg*innen zu kommunizieren. Gerade im Gesundheitswesen ist das aufgrund mangelnder Datensicherheit nicht ganz unproblematisch und kann sogar schwerwiegende Konsequenzen haben – dazu später mehr.

Etwa 40% der Pflegekräfte, die an unserer Umfrage teilgenommen haben, wurden noch nie zum Thema Datenschutz sensibilisiert. Um euch das Thema etwas näherbringen zu können, haben wir alle relevanten Infos für euch gesammelt und uns mit datenschutzkonformen Messenger-Diensten auseinandergesetzt. Sicherlich werdet ihr den einen oder anderen Fakt finden, den ihr noch nicht kanntet!

Wie sicher ist WhatsApp in der Pflege wirklich?

Trotz seiner weit verbreiteten Nutzung gibt es einige ernsthafte Datenschutzbedenken, denen besonders im Bereich der Pflege Beachtung geschenkt werden sollte.
Ein paar Pflegekräfte aus der Community haben uns geschrieben, dass sie WhatsApp nutzen, um Bilder oder Dokumente weiterzuleiten. Aber Vorsicht: Empfangene Medien werden oft unverschlüsselt auf den Endgeräten der Nutzer*innen gespeichert, was im Hinblick auf vertrauliche Patient*innendaten ein sehr großes Sicherheitsrisiko darstellt.

Außerdem werden Benutzerdaten auf Servern außerhalb der EU gespeichert und der Messenger-Dienst hat Zugriff auf die Metadaten der Kommunikation, d.h. Informationen über Absender*in, Empfänger*in, Zeitpunkt und Größe der Nachrichten. Zudem werden regelmäßig Telefonnummern aus dem Adressbuch der Nutzer*innen an WhatsApp übertragen, ohne dass diese etwas dagegen tun können.

Kurz gesagt: WhatsApp sowie auch WhatsApp Business, ein Messenger, der vom Mutterkonzern Meta speziell für die geschäftliche Kommunikation entwickelt wurde, erfüllen nicht die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und des Bundesdatenschutzgesetzes (BDGS). Daher eignen sie sich nicht als Kommunikationskanal für Pflegeeinrichtungen oder Pflegedienste.

Was kann sicher über WhatsApp verschickt werden, was nicht?

WhatsApp hat 2016 die Ende-zu Ende-Verschlüsselung für alle über den Dienst verschickten Inhalte, sowohl Nachrichten als auch Audios, Bilder oder Videos, eingeführt. Das bedeutet, dass nur Teilnehmer*innen eines Chats in der Lage sind, auf die Inhalte und Nachrichten zuzugreifen. 

Das klingt fast so, als könnte man unbesorgt jegliche Inhalte über den Dienst versenden. Aber aufgepasst: Informationen über Absender*in, Empfänger*in, Zeitpunkt und Größe der Nachrichten werden trotzdem an WhatsApp weitergegeben und Medien landen, wie bereits erwähnt, meist unverschlüsselt auf den Endgeräten. 

Daher wird trotz allem empfohlen, keine sensiblen Daten über WhatsApp zu verschicken. Dazu gehören beispielsweise sensible Patient*innen-Informationen, Fotos bzw. Videos von Patient*innen oder vertrauliche Dokumente.

Tipp: So könnt ihr WhatsApp als Pflegekräfte sicherer nutzen

Es besteht die Möglichkeit, die Sicherheit auf WhatsApp zu erhöhen. Dazu müsst ihr auf Folgendes achten:

  • Nutzt aktuelle Software-Versionen
  • Kommuniziert über Dienst-Handys
  • Beschränkt euer Adressbuch auf WhatsApp-Kontakte
  • Verwehrt WhatsApp den Zugriff auf euer Adressbuch
  • Schaltet bei Cloud-Back-ups die Verschlüsselung ein
  • Achtet darauf, dass Medien wie Foto, Videos oder Dokumente nicht in der Mediathek auf eurem Endgerät landen
  • Stellt sicher, dass keine Drittanbieter Zugriff auf eure Mediathek haben, falls doch einmal etwas dort landen sollte
  • Sichert eurer Endgerät zusätzlich durch PIN-Codes oder TouchID

Das solltet ihr bei der Auswahl eines Messengers für den Pflegebereich beachten

Obwohl einige Vorkehrungen getroffen werden können, die WhatsApp sicherer machen, solltet ihr trotzdem über einen anderen Messenger-Dienst für die interne Kommunikation in eurem Pflegedienst oder eurer Pflegeeinrichtung nachdenken. Mittlerweile gibt es einige gute Alternativen, die für die Kommunikation im Gesundheitswesen grundlegend besser geeignet sind als WhatsApp. Wir haben euch die wichtigsten Aspekte zusammengefasst, auf die es bei der Wahl eines Messenger-Dienstes ankommt:

  • In Deutschland entwickelt mit einem ISO-9001 oder ISO 27001 zertifizierten Rechenzentrum
  • Kompatibilität mit einer Bandbreite an Endgeräten
  • Unkomplizierte, mehrsprachige Benutzeroberfläche: ermöglicht reibungslose Nutzung und vermeidet Missverständnisse und Kommunikationsprobleme
  • DSGVO-konform, um Sicherheit der Daten zu gewährleisten
  • Möglichkeit zur Anonymisierung der Daten
  • Möglichkeit, Fotos, Dokumente und Daten sicher zu versenden

Zum Download: Alternative Messenger-Dienste, die der DSGVO entsprechen

Du möchtest wissen, welche Messenger-Dienste eine sichere und gute Alternative zu WhatsApp sind? Hier ein paar Empfehlungen für dich!

Unser Fazit zum Thema WhatsApp und Datenschutz in der Pflege

Ihr merkt, es muss auf ganz schön viele Dinge geachtet werden. WhatsApp ist womöglich eine bequeme, aber trotzdem sehr problematische Option. Stimmen aus unserer Community haben berichtet, dass Kolleg*innen bereits Abmahnungen oder sogar eine Kündigung erhalten haben, weil sie sensible Daten über WhatsApp geteilt haben.

Das Thema Datenschutz in der Pflege ist aktueller denn je und wird es wohl auch weiterhin bleiben. Daher ist es umso wichtiger, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.
Wir hoffen, wir konnten euch einen guten Überblick über die Aspekte geben, auf die es bei der Wahl eines datenschutzkonformen Messengers im Gesundheitswesen ankommt.

Nutzt ihr für die Kommunikation in eurem Pflege-Team auch WhatsApp?

Quellen
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