10 Jul 2024

Führen in der Pflege: Darauf sollten Führungskräfte achten!

Symbolbild: Führen in der Pflege: Darauf sollten Führungskräfte achten! Eine Pflegekraft schaut lächelnd in die Kamera. Hinter ihr sind weitere Pflegekräfte zu sehen.
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Führungskräfte in der Pflege stellen sich einer anspruchsvollen Aufgabe, die oft mit zahlreichen Herausforderungen verbunden ist. Vielleicht kennst du es auch: Schlechte Planung, mangelnde Kommunikation und ein fehlender wertschätzender Umgang können den Arbeitsalltag erheblich erschweren und sich negativ auf die Stimmung im Team auswirken. Diese Probleme führen nicht nur zu Frustration und Stress im Team, sondern können auch die Qualität der pflegerischen Versorgung beeinträchtigen.

In diesem Blogbeitrag möchten wir darüber aufklären, wie Führungskräfte ein positives und effektives Arbeitsklima schaffen, das Fluktuation reduziert und Krankmeldungen minimiert. Darüber hinaus erwarten dich praxisnahe Tipps, wie Führungskräfte Wertschätzung und konstruktive Kritik äußern können.

Kernkompetenzen einer Führungskraft in der Pflege

Jede Pflegekraft hat andere Ansprüche an ihre*n Vorgesetzte*n. Wenn Personen in Führungspositionen dies erkennen, sind sie auf einem guten Weg, eine erfolgreiche Führungskraft zu werden.

Auch wenn eine prototypische Führungsperson nicht existiert, waren Forscher*innen mithilfe verschiedener Studien in der Lage, einige Eigenschaften und Verhaltensweisen zu bestimmen, die eine gute Führungskraft auszeichnen.

PERMA-Lead-Modell

Markus Ebner von den Universitäten Wien und Klagenfurt zeigt in seinem PERMA-Lead-Modell, dass eine Führungskraft, die diese fünf Aspekte umsetzt, ihr Pflege-Team positiv beeinflussen kann.

  • Positive Emotions: Die Führungskraft trägt zu einer positiven Stimmung im Pflege-Team bei. Pflegekräfte fühlen sich wohl und haben Spaß an ihrer Arbeit.
    Bsp.: Eine Führungskraft führt regelmäßig Small-Talk mit ihren Pflegekräften und zeigt Interesse.
  • Engagement: Die Führungsperson ermöglicht den Pflegekräften, sich mit ihren individuellen Stärken einzubringen. Dies motiviert sie und führt dazu, dass sie mehr leisten.
    Bsp.: Eine Führungskraft übergibt einer Pflegekraft die Aufgabe, eine*n ängstliche*n Patient*in zum/zur Ärzt*in zu begleiten, da diese sehr geduldig, kommunikativ und empathisch ist.
  • Relationships: Die Führungskraft sorgt für ein gutes Verhältnis im Team und einen wertschätzenden Umgang. Dies gibt Pflegekräften das Gefühl, Teil eines Teams zu sein und fördert das Team-Gefühl.
    Bsp.: Eine Führungskraft organisiert ein Team-Event, um den Zusammenhalt im Pflege-Team zu stärken und zu zeigen, dass ihr das Team am Herzen liegt.
  • Meaning: Die Führungsperson sorgt dafür, dass die Pflegekräfte ihre Arbeit als bedeutungsvoll und sinnstiftend wahrnehmen.
    Bsp.: Eine Führungskraft führt regelmäßig Feedbackgespräche mit ihren Pflegekräften und erklärt ihren Mitarbeiter*innen stets, warum sie ihnen eine Aufgabe zuteilt.
  • Accomplishment: Die Führungskraft motiviert ihre Pflegekräfte durch Lob und Anerkennung von Erfolgen. Dadurch erlangen Pflegekräfte mehr Selbstbewusstsein und Motivation.
    Bsp.: Eine Führungskraft lobt die tolle Leistung einer Pflegekraft während einer Teambesprechung.

Projekt “Handlungshilfen für die Pflegepraxis”

Das Institut Arbeit und Technik aus Gelsenkirchen und seine Partner*innen haben im Rahmen ihres Projektes “Handlungshilfen für die Pflegepraxis“ wichtige Führungskompetenzen herausgearbeitet, auf die es in der Pflege ankommt:

  • Personale Kompetenz: Eine Führungskraft im Pflegebereich ist in der Lage, die Relevanz und Dringlichkeit anstehender Aufgaben zu bewerten. Sie besitzt Selbstbewusstsein, ein positives Mindset und ist dazu fähig, die Qualität der angebotenen Pflegeleistungen objektiv und kritisch zu beurteilen, um bei Bedarf Optimierungen vorzunehmen.
  • Aktivitäts- und Handlungskompetenz: Es ist essentiell, dass eine Führungskraft klare Ziele formuliert, diese kommuniziert und entschlossen verfolgt. Dies beinhaltet auch die aktive Einbindung der Pflegekräfte in den Zielsetzungsprozess und deren Unterstützung bei der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen. Eine adaptive Strategie ist ebenfalls wichtig: Bei Bedarf sollte die Führungskraft die Maßnahmen anpassen, um auf veränderte Bedingungen oder neue Erkenntnisse angemessen zu reagieren.
  • Fachlich-methodische Kompetenz: Eine kompetente Führungskraft ist in der Lage, fundierte Urteile darüber zu fällen, welche Methoden und Arbeitsweisen in ihrem Pflege-Team effektiv sind und welche nicht. Diese Einschätzungen macht sie basierend auf Daten und Fakten. Zudem stellt sie sicher, dass alle Aufgaben verantwortungsbewusst und zuverlässig erfüllt werden.
  • Sozial-kommunikative Kompetenz: Effektive Kommunikation und der regelmäßige Kontakt zu den Pflegekräften sind für eine gute Führungskraft unerlässlich. Veränderungen im Arbeitsumfeld sollten klar und transparent kommuniziert werden. Die Reflexion des eigenen Führungsstils mithilfe von regelmäßigen Feedbackgesprächen begünstigt ein offenes und vertrauensvolles Arbeitsklima. Es ist wichtig, die Fähigkeiten und Ressourcen des eigenen Pflege-Teams zu erkennen und wertzuschätzen. Eine gute Führungskraft hört ihren Pflegekräften bei Anliegen zu und fördert eine Kultur der Offenheit und Zusammenarbeit.

Wertschätzung: Leistungen von Pflegekräften loben und anerkennen

Viele Führungskräfte unterschätzen die Auswirkungen, die ein wertschätzender Umgang mit ihren Pflegekräften hat. Sie sind motivierter, gute Arbeit zu leisten, wenn sie das Gefühl haben, ihre Arbeit wird wertgeschätzt. Ein guter Umgang fördert auch die Mitarbeiter*innenbindung – Pflegekräfte fühlen sich stärker mit dem Pflegeunternehmen verbunden.
Aber wie drücken Führungskräfte Lob und Wertschätzung angemessen aus, damit es authentisch wirkt? Hier sind ein paar Tipps für Führungskräfte:

  • Schenke der Pflegekraft aktiv deine Aufmerksamkeit.
  • Sprich dein Lob nicht ein paar Tage später, sondern direkt in der Situation aus, in der die Pflegekraft etwas Lobenswertes tut. Dann wirkt deine Wertschätzung am authentischsten.
  • Formuliere konkret aus, was die Pflegekraft konkret gut gemacht hat. Ein pauschales „toll gemacht“ erzielt nicht die gleiche Wirkung.
  • Lob solltest du als Führungskraft immer persönlich aussprechen.

Wie äußern Führungskräfte in der Pflege konstruktiv Kritik?

Viele Führungskräfte meiden es, Kritik anzusprechen aus Angst vor Konfrontationen, Konflikten und einem negativen Einfluss auf die Stimmung im Pflege-Team. Trotzdem sind Kritikgespräche wichtig, um Arbeitsabläufe zu optimieren und gute Zusammenarbeit sowie eine angemessene Versorgung von Klient*innen zu gewährleisten.
Doch wie können Führungskräfte Kritik klar kommunizieren, ohne unhöflich zu sein oder die Beziehung zur Pflegekraft zu gefährden? Diese Tipps können helfen:

  • Mache dir vorher klar, welche Absicht du mit dem Gespräch verfolgst.
  • Sei konkret und transparent bei der Äußerung deiner Kritik: Was genau hat eine Person falsch gemacht?
  • Vermeide Generalisierungen, die Ausdrücke wie „immer“ oder „nie“ enthalten.
  • Kritisiere ein Verhalten, nicht die Person.
  • Spreche nicht zu viele Kritikpunkte auf einmal an: die Pflegekraft muss die Kritik auch verarbeiten können.
  • Äußere Kritik immer in einem persönlichen Gespräch, nicht vor Kolleg*innen.
  • Unterstelle einer Pflegekraft niemals etwas, von dem du nicht weißt, ob es der Wahrheit entspricht. Einer Pflegekraft sollte bspw. nicht vorgeworfen werden, ihr läge nichts an ihrem Beruf, weil sie ein paar Tage unmotiviert zur Arbeit erscheint. Dies kann andere Gründe haben, z.B. private Probleme oder Unzufriedenheit.
  • Feedbackgespräche sollten zudem auch immer positive Aspekte enthalten. Gehe also auch auf die gute Arbeit deiner Mitarbeitenden ein und lobe sie.
  • Bleibe ruhig, sachlich und respektvoll.

Fazit: Führen in der Pflege ist keine leichte Aufgabe

Eine Führungskraft in der Pflege muss sich vielen Herausforderungen stellen – von der effektiven Planung und Kommunikation bis hin zur Förderung eines positiven Arbeitsklimas. Eine selbstreflektierte, mitarbeiter*innenorientierte und transparente Herangehensweise scheint dabei besonders vielversprechend zu sein.

Durch den kontinuierlichen Austausch mit dem eigenen Pflege-Team und einem wertschätzenden Umgang kann eine Führungskraft nicht nur die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter*innen steigern, sondern auch die Qualität der Pflege verbessern. Indem Führungskräfte die beschriebenen Kernkompetenzen entwickeln und anwenden, können sie einen positiven Einfluss auf ihr Team ausüben und so zur Schaffung eines unterstützenden und produktiven Arbeitsumfelds beitragen.

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