Warum Social Media der Pflege auch schaden kann

Wer sich online in der Filterblase der Pflege herumtreibt, wird sie kennen: Die vielen negativen Kommentare, Beleidigungen und Hassnachrichten, die Unternehmen, Pflegeinfluencer und Pflegekräfte selbst aushalten müssen. Die Sozialen Netzwerke sind Teil unseres Lebens und sie beeinflussen zunehmend das Meinungsbild unserer Gesellschaft. Aber nicht nur das: Sie beeinflussen auch das Verhalten einzelner Personen und können so großen Einfluss auf unsere Zukunft nehmen. 

SOCIAL MEDIA BIETET CHANCEN

Soziale Medien sind wichtig und manche User haben eine große Reichweite. Diese Reichweite sollte auch für die Pflege genutzt werden. Es besteht die Chance, die Wichtigkeit politischer Diskussionen in den Vordergrund zu stellen und so tatsächlich etwas zu erreichen. Das Bild der Gesellschaft über die Pflege kann mit der Hilfe von Pflegeinfluencern wie @le_ni_fee , @einfachjean oder @thefabulousfranzi verbessert werden und mit mehr Wertschätzung kann das Image der Pflege aufpoliert werden.

„GEHT NIEMALS IN DIE PFLEGE!“

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Jede Stimme zählt – aber leider auch jede negative Stimme. Auch die Kommentare auf unserer Facebook-Seite von „Pflegekraft – Mehr als ein Beruf“ driften manchmal ab und die Community streitet sich in den Kommentaren ohne Rücksicht auf Verlust und ohne Respekt. Dabei vergessen viele: Mit jedem bösen Kommentar, jeder Beleidigung und jedem „Geht niemals in die Pflege!“ wird dem Beruf geschadet und der Pflegenotstand verschärft. Menschen, die sich für die Pflege interessieren, werden abgeschreckt. Es entsteht das Bild, dass es nur negatives über die Pflegeberufe zu sagen gibt.

LASST UNS ÜBER DIE POSITIVEN DINGE SPRECHEN

Diesem Bild versuchen Pflegeinfluencer etwas entgegenzusetzen. Doch gerade bei Themen wie Gewalt in der Pflege oder aktuelle politische Debatten herrscht so oft ein negatives Stimmungsbild, dass man dagegen kaum ankommen kann. Jedem positiven Punkt werden mindestens drei negative gegenübergestellt und vieles wird pauschalisiert. Das all die negativen Aspekte wahr sind, stellen wir nicht in Frage, aber gleichzeitig muss beachtet werden, dass es nicht überall zu Überstunden, Unterbesetzung oder Gewalt kommt. Ein gutes Team und das Lachen der Patienten ist für viele Pflegekräfte der Grund, ihren Beruf nicht aufzugeben.

ES GIBT VIELE MÖGLICHKEITEN

Unzufriedenheit im Job sollte nicht auf Facebook und Co. ausgelassen werden, sondern vielleicht lieber aktiv in die neue Jobsuche investiert werden. Eine Fort- oder Weiterbildung kann neue Karrierewege eröffnen, die besser Bedingungen mit sich bringen. Ein neues Team kann zu mehr harmonischer Stimmung und Spaß bei der Arbeit führen – trotz Stress. Ein Wechsel in die Intensivpflege etwa ermöglicht eine 1:1 Versorgung, mehr Zeit für den Patienten, besseres Gehalt und ein entspannteres Arbeitsumfeld. Die Arbeit in der Pflege zu verteufeln bringt nichts, es verschlechtert die Situation nur. Wagt den Versuch und schaut euch lieber nach etwas anderem um.

WENN KRITIK: DANN BITTE SACHLICH UND KORREKT

Natürlich sind die Probleme, die viele User in ihren negativen Kommentaren ansprechen, real. Man darf diese Probleme nicht totschweigen und soll sie auch offen ansprechen. Aber oft stellen Kommentatoren die emotionalen Aspekte in den Vordergrund ihrer Diskussion, achten bei Artikeln nicht auf die Details. Ein gutes Beispiel ist da etwa die Gehaltsdiskussion. Auf Facebook kosteten wir einmal einen Artikel mit dem Titel: „Junge Pflegekräfte zwischen 16 und 25 Jahren verdienen im Schnitt 2.250 Brutto“. Auf eine solche Meldung folgten dann Kommentare wie „Das ist Schwachsinn“ oder „Von so einem Gehalt träume ich noch“. Dabei werden Aspekte wie das Bundesland oder die Region und viele andere Faktoren einfach ausgelassen. So entsteht bei Menschen, die sich für den Beruf als Pflegekraft interessieren aber eher der Eindruck, dass sie definitiv weniger als das genannte Bruttogehalt verdienen würden. Ein Grund weniger, diesen Beruf zu ergreifen.

RELATIVIEREN BRINGT NICHTS

Online gilt also weiterhin das Gleiche wie im echten Leben: Sachlich und höflich argumentieren und immer offen für Gegenargumente bleiben. Und nur, weil der aktuelle Job nicht der Richtige ist, heißt es noch lange nicht, dass es allen Pflegekräften so schlecht geht. Die Energie, die in Hasskommentare investiert wird, kann auch sinnvoller genutzt werden. Möglichkeiten, sich zu engagieren, gibt es viele. Auch wenn es vielleicht nicht zu wirkt: Zusammen kann man viel eher etwas bewirken.

KOMMENTARE AUS DER COMMUNITY:

Sabine D. „Albtraum Pflege!“

Matthias E. „Jemandem den Arsch abwischen zu müssen, ist nicht so häufig ein Traumberuf.“

Dina J. „Ich steig jetzt nach 20 Jahren aus, da das nichts mehr mit menschenwürdiger Pflege zu tun hat.“

Viola K. „Ich bin raus aus der Pflege. Ich kann das nicht mehr. Ständig darauf zu achten, dass einige Kollegen ihre Arbeit vernünftig machen.“

Ana Joseit G. „Man kann nicht alle über den selben Kamm scheren. Ich bin PH und für mich ist das die schönste Arbeit die ich je gemacht habe. Ich liebe diesen Beruf. Es ist nicht immer leicht , aber am Ende gehe ich zufrieden nach Hause.“

Manuela K. „Gott sei Dank trifft es nicht auf alle Einrichtungen zu. Leider gibt es immer noch zu viele schwarze Schafe und zu wenig ausgebildetes Personal. Dies ist ein Beruf für Menschen mit Herzblut und ganz viel Liebe an Menschen.“