Menschenunwürdige Pflege: Nicht nur Team Wallraff deckt Missstände auf

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Im Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der Staat ist dazu verpflichtet, Menschenrechte in der Gesellschaft zu verankern und damit einhergehend auch menschenwürdige Pflege zu schaffen. In der Realität sieht es aber oft anders aus, wenn es darum geht, die Menschenwürde in der Pflege zu bewahren. Erfahrungsberichte unserer Community zeigen unter anderem, dass es in der Pflege doch häufiger zu Verstößen kommt, als erwartet.

Verletzung der Rechte von Patient*innen

Generell wird die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Sicherheit pflegebedürftiger Menschen als größtes Ziel würdevoller Pflege angesehen. Dabei steht der Wille der Patient*innen im Vordergrund, bei dem vor allem die individuellen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen berücksichtigt werden sollen – ob im Alltag, bei Pflegemaßnahmen oder im menschlichen Umgang. Genau diese Rechte werden jedoch immer öfter verletzt, zum Einen durch Personalmangel und der unzureichenden Pflege und zum Anderen durch Behandlungsfehler, die durch den hohen Stress im Pflegealltag passieren.

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Team Wallraff deckte eine Vielzahl an Verstößen auf

Trotz dieser Prinzipien, die in unserer Gesellschaft gelten, kommt es zur Verletzung der Menschenwürde in der Pflege. Zu häufigen Verstößen gehören unter anderem die körperliche Gewalt, die psychische Gewalt, falsche Kommunikation, Vernachlässigung oder intime Übergriffe. Das „Team Wallraff“ war vor einigen Monaten mit versteckter Kamera unterwegs und hat während der Undercover-Recherche Missstände in Pflegeheimen aufgezeigt. Dabei wurden vor allem Missstände wie die Vernachlässigung von Pflegebedürftigen, schlechte Hygienebedingungen und das überlastete Pflegepersonal aufgezeigt. Die Aufnahmen waren verheerend und menschenunwürdig.

Kein Einzelfall: Auch die PKM-Community erlebte ähnliches

Auch unsere Community haben wir zum Thema befragt. Das Schlimme dabei: ihr habt uns von ähnlichen Ereignissen berichtet. Erschreckende 48% der Befragten können nicht mit gutem Gewissen sagen, ob die Sicherheit einer guten Pflege in ihrem Unternehmen gewährleistet wird und 65% haben sogar das Gefühl, die Patient*innen würden sich nicht immer wohl und sicher fühlen. Das spiegelt sich auch in den Erfahrungsberichten wider.

Insgesamt gaben 59% an, dass es Situationen im Pflegealltag gibt, in denen die Menschenwürde verletzt wird. 28% gaben an, dass es viel zu viele Situationen gibt und nur 13% sind von solchen Situationen glücklicherweise verschont geblieben. Dabei wird die körperliche und verbale Gewalt im Pflegealltag mehrmals genannt, Fixierung ohne Anordnung und das nicht rechtzeitige Reagieren, wenn es klingelt.

Überlastung begünstigt Verstöße

Der Personalmangel, der hohe Zeitdruck und die schlechten Arbeitsbedingungen in der Pflege sind häufige Ursachen, warum es zu Verstößen oder sogar zu Gewalt kommt. Der Pflegeberuf ist körperlich wie auch psychisch sehr anspruchsvoll. Mit diesen ganzen Problemen wird der Beruf inzwischen als unattraktiv eingestuft, weshalb auch zu wenige eine Ausbildung in der Pflege in Betracht ziehen. Schlussendlich können die genannten Aspekte zu Überlastung und Frust führen und somit negative Auswirkungen auf die Patient*innen haben. Auch unsere Community hat den Personalmangel, die unzureichende Finanzierung und politische Gründe als Ursachen genannt. Mit 47% ist der Personalmangel die größte Ursache. Genauso viele gaben aber auch an, dass alles in Kombination zu Missständen führen würde.

Verletzung der Rechte von Pflegekräften

Auch Pflegekräfte erleben unangenehme und unangemessene Situationen in ihrem Alltag. Julia Förster, Pflege-Influencerin, hat uns in einem Interview erzählt, dass sie sexuelle Übergriffe durch Patient*innen erleben musste oder auch Kommentare zu ihrer sexuellen Orientierung und ihrer Erscheinung einstecken musste. Auch das fällt unter die Verletzung der Menschenwürde.
Über 30% der Befragten gaben an, dass es viel zu häufig zu Verstößen kommt. Dabei wird mehrmals genannt, dass sie ständig für andere einspringen müssen oder keine Pausen haben.

Eine würdevolle Pflege zu gewährleisten, wird als größtes Ziel angesehen und kann nur erfolgen, wenn Pflegekräfte und Patient*innen miteinander so umgehen, wie sie auch von anderen behandelt werden wollen. Seitens der Politik müssten auch stärkere Maßnahmen ergriffen werden, nicht nur um die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, sondern auch um Verstöße zukünftig zu verhindern.

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