Julia Förster: „Wir dürfen die schönen Seiten der Pflege nicht einfach vergessen“

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Porträt von Julia Förster, die als Pflegefachkraft tätig ist. Mit kurzen blonden Haaren, einem zwinkernden Auge und einem breiten Lächeln präsentiert sie sich vor der Kamera.
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Julia Förster ist Pflege-Influencerin und gute Fee in der außerklinischen ambulanten Intensivpflege. Auf ihrem Instagram Account @juliaf.pflege mit über 60.000 Follower*innen teilt sie vor allem Eindrücke aus ihrem Alltag als Pflegekraft, aber auch Eindrücke aus ihrem Privatleben. Die 29-Jährige bezeichnet sich selbst als „Mädchen für alles“, da sie verschiedenste Aufgaben übernimmt, um die Arbeit ihrer Kolleg*innen etwas zu entlasten. Während Julia einst die Ausbildung zur Krankenpflegerin vor allem wegen des Geldes begonnen hat, macht sie das heute aus Seele und Leidenschaft. Trotz Missständen in der Pflegebranche, ist sie von Tag eins mit Herzblut mit dabei.

Pflege bedeutet positive und negative Erfahrungen zugleich

Nicht nur die Pflege, sondern auch alle anderen Berufe bringen Vor- und Nachteile mit sich, dessen ist sich Julia sicher. In ihrer Berufskarriere hat sie positive und negative Erfahrungen gemacht. „Ich habe in der ambulanten Pflege gearbeitet und eine alte Dame sehr lange und sehr gut gepflegt, die, während ich im Urlaub war, im Sterben lag. Die Angehörigen haben aber alles machen wollen, damit ich zurückkomme, um sie an ihren letzten Tagen zu begleiten“, erzählt sie. Die Tatsache, dass sie ausgerechnet Julia dabeihaben wollten, hat sie besonders glücklich und stolz gemacht, da die Angehörigen in ihr offensichtlich die beste Pflegekraft gesehen haben. „Das hat mir gezeigt, dass ich meine Arbeit wirklich gut mache, aber ich war natürlich trotzdem sehr traurig. Für eine Pflegekraft ist das ein super prägendes Erlebnis, wenn jemand sagt du oder niemand.“

Sexuelle Übergriffe in der Pflege

Zu Julias negativen Erfahrungen gehören aber auch Erlebnisse wie sexuelle Übergriffe durch Patient*innen. „Da habe ich leider Gottes einiges erleben müssen.“ Sexuelle Übergriffe in der Pflegebranche sind tatsächlich keine Einzelfälle mehr, denn es kommt immer häufiger zu solchen Fällen. Kommt es zu solchen Vorfällen, dann muss man dringend mit jemandem darüber sprechen. „Das was ich damals nicht gemacht habe, ist ich habe nicht richtig offen gesprochen. Das würde ich heute definitiv nicht mehr machen. Also unbedingt darüber sprechen, das ist das Wichtigste und das machen viele nicht.“ Auf ihren Social-Media-Kanälen ist sie im Austausch mit Betroffenen, die nach ihrer Geschichte ebenfalls ihre Erfahrungsberichte teilten. Julia fordert vor allem die Politik dazu auf, das Problem der sexuellen Belästigung in der Pflege ernst zu nehmen.

Für das ARD Mittagsmagazin hat Julia von ihren Erlebnissen ausführlich erzählt. Schaut doch mal rein:

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Harte Schale, weicher Kern

In vielen Themenbereichen begegnet Julia bei ihrer Arbeit noch ein veraltetes Denken, besonders häufig bei älteren Patient*innen. Julia ist lesbisch, kommuniziert die Ehe mit ihrer Frau auch mit Stolz. Außerdem fällt sie durch ihre Tattoos und kurzen Haare gerne mal auf. „Vor einigen Jahren sah ich noch härter als jetzt aus. Tätowiert war ich schon immer, aber ich hatte auch einen dicken Ring in der Nase und kurze rasierte Haare. Da musste ich mir den Respekt der Patient*innen schon ziemlich erkämpfen. Die wollten sich von jemand so dreckigem nicht waschen lassen, denn für sie sah ich ungepflegt aus. Weil ich einfach nicht in das Bild gepasst habe“, erzählt Julia. Als homosexuelle Frau musste sie auch einige Kommentare zu ihrer sexuellen Orientierung und ihrer Erscheinung einstecken.Trotzdem hat Julia immer wieder beweisen können, dass sie eine fürsorgliche und liebevolle Pflegekraft ist.

Auch auf Social Media fallen häufig herabwürdigende Kommentare zu ihrer Erscheinung. „Ich glaube ich habe mit den Jahren gelernt damit umzugehen. Ich weiß, dass ich gut bin, so wie ich bin und ich liebe mich selbst so wie ich bin.“

 

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Social Media und Pflege

Viele Leute, die in der Pflege tätig sind und gleichzeitig Beiträge zu ihrem Arbeitsalltag auf Social Media teilen, erzählen meist nur von den Schattenseiten der Branche. Julia ist der Meinung, dass Pflegemissstände nicht ignoriert werden sollen, aber es gibt auch viel Schönes, was mehr Anerkennung und Präsentation verdient. „Ich glaube das ist echt wichtig, denn das ist mir auch erst in der letzten Zeit bewusst geworden, dass wir die Pflege echt mies reden. Wir dürfen die schönen Seiten der Pflege nicht einfach vergessen.“

Was ist eure Meinung zu diesem Thema: Sollte man mehr über die schönen Seiten der Pflege sprechen?

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