Ausgenutzt von der Leitung: Pflegekraft Julia spricht Klartext

Nina nina
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Als einfache Pflegekraft sieht man sich im Arbeitsalltag vielen Herausforderungen ausgesetzt: Personalmangel, geringe Vergütung, zu wenig Wertschätzung. Ein guter Teamzusammenhalt ist unter diesen Bedingungen essentiell, um nicht die Nerven zu verlieren. Wenn der Zeitdruck immer steigt und man nicht auf seine Kolleg*innen und Vorgesetzten zählen kann – was hält Pflegekräfte dann überhaupt noch in der Pflege? Pflegekraft Julia arbeitet in einem ländlich gelegenen Krankenhaus und spürt die Folgen einer schlechten Teamführung schon seit langem. Im Interview spricht sie aus, was viele ihrer Kolleg*innen denken.

Eine Leitungskraft in der Pflege hat viel Verantwortung

Der Personalmangel in der Pflege ist bei weitem kein neues Thema. Um so schockierender ist es, wenn das Pflegepersonal aus Kliniken, Altenheimen oder ambulanten Pflegediensten davon berichtet, dass die eigenen Teamleitungen sie nicht unterstützen. Vom Personalmanagement zu Dienstplanung, von Fort- zu Weiterbildungen und Beschwerdemanagement: Der Aufgabenbereich einer Teamleitung in der Pflege ist weit gefächert – eben deshalb ist es wichtig, dass die Pfleger*innen sich darauf verlassen können, dass diese Aufgaben gewissenhaft übernommen werden.

Alle kennen das Problem – doch nichts ändert sich

Julia ist eine Pflegefachkraft aus unserer Community und sie arbeitet selbst seit vielen Jahren in der Pflege. Rund 450 Betten hat ihre Einrichtung, sie selbst arbeitet in der Endoskopie. Probleme mit ihren Vorgesetzten gibt es hier schon seit langer Zeit: „Eigentlich denken alle, dass hier etwas nicht richtig läuft – aber es wird alles unter den Tisch gekehrt.“ Konkret hat Julia mit ihrer Teamleitung zu kämpfen, die ihre Machposition klar ausnutzt. Ihr Team findet nur selten Zeit, die gesetzlich vorgeschriebenen Pausen zu nehmen, dafür nutzt die Leitung die Arbeitszeit aber für private Zwecke. „Er ist der faulste Mensch im ganzen Krankenhaus, anders kann ich es nicht sagen. Er geht während der Arbeitszeit ins Internet, organisiert neue Trikos für seinen Fußballverein, schaut sich Aufstellungen an, druckt private Retourenscheine aus… All das, während wir uns abrackern!“ Das Dilemma dabei: Julias Leitungskraft hat eine hohe Leitungsposition in einer Zweigstelle des Hauses, aufgrund derer eine Kündigung nicht so leicht ist.

Ein Gespräch sorgte nur für noch mehr Frustration

Diese und noch viele weitere Probleme wollten Julia und ihre Kolleg*innen dann schließlich bei der Pflegedienstleitung ansprechen. „Wir haben ein Mentorengespräch gefordert, das dann aber ganz anders verlief, als ich es mir erhofft hatte. Wir haben nicht über ihn, sondern über ganz andere Themen gesprochen. Man verrannte sich dann in so Details, z.B. dass die Kommunikation mit den Ärzten schlecht läuft.“ Nach diesem Gespräch wuchs die Frustration in Julia nur noch mehr. Das Gefühl von Machtlosigkeit, Frustration und Wut wurde immer stärker. „Wenn ich während der Arbeitszeit im Internet surfen würde, dann dürfte ich mir wahrscheinlich was anhören. Bei ihm ist das anscheinend okay, selbst für den Betriebsrat.“

Falsche Protokolle und keine Fortbildungen

Doch nicht nur die fehlende Unterstützung durch ihre Leitung macht Julia zu schaffen.
In den vier Jahren, die sie nun schon in ihrer Abteilung arbeitet, hat sie nicht eine Röntgenfortbildung besuchen können. Obwohl sie mehrmals die Woche mit dem Röntgengerät arbeitet, besitzt sie noch immer kein fundiertes Fachwissen dazu. Dass sie diese Aufgabe trotzdem übernimmt, wird von ihr erwartet. Auch bei den Stationsbesprechungen, die in jedem Quartal anstehen, herrschen massive Mängel: Denn sie finden nie statt! Es ging sogar einmal so weit, dass ihre Leitung sich Protokolle ausdachte, als die Pflegedienstleitung nach den letzten Aufzeichnungen dieser Treffen fragte.

Das sagt unsere Community dazu

Gott sei Dank muss nicht jede Pflegekraft mit einer solchen Leitungskraft kämpfen, wie es Julia leider muss. Wir haben euch gefragt welchen Rat ihr z.B. eurer Pflegedienstleitung geben würdet und einige von euch sind sehr zufrieden mit ihren Vorgesetzten. Grundlegend wünscht sich auch unsere Community eine noch offenere Kommunikation. Über fünfzig Prozent von euch haben ein Verhältnis zu ihrer PDL welches sie in Ordnung finden, fast dreißig Prozent sagen dass sie eine sehr gute Beziehung zu ihrer PDL haben. Aber ihr habt eure PDL auch gelobt und davon berichtet, dass sie einen guten Job macht.

Wie sieht euer Verhältnis zu eurer Leitungskraft aus?

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