Burnout in der Pflege: Die „innere Kündigung” einer Pflegekraft

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Eine Pflegekraft sitzt erschüttert auf einem Stuhl und hält sich die Hände an den Kopf
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Manchmal wird alles einfach zu viel: Immer mehr werdende Stunden, überkochende Emotionen und die Verantwortung eines oder mehrerer Menschenleben. Jede dritte Pflegekraft ist Burnout gefährdet. Unterbesetzte Stationen, überbelastetes Personal: Burnout in der Pflege ist in Deutschland ein präsentes Thema. Die deutschen Pflegekräfte arbeiten in Kliniken und Altenheimen am Limit. Der Traumberuf der Pflegekraft kann sich schnell in einen Albtraum verwandeln. Und plötzlich ist man selbst ein Pflegefall und braucht Hilfe und Unterstützung. 

Aber was genau ist das Burnout-Syndrom?

Das Burnout-Syndrom ist der Zustand einer vehementen geistigen, körperlichen und seelischen Erschöpfung aufgrund von Überlastung. Grundsätzlich ist das Syndrom für berufliche Überlastung bekannt. Jedoch kann es jede Art von Überlastung sein. Zumal es verschiedene Faktoren gibt die dazu führen können. Zu einem Burnout kommt es, wenn ein Mensch seine klaren Grenzen überschreitet und dadurch unter starker Erschöpfung leidet. Dieser Prozess ist schleichend und ist anfangs schwer bemerkbar. Jedoch gibt es viele Symptome, die Anzeichen für das Syndrom sein können.

FAKT

Mit ca. 290 Arbeitsunfähigkeitstagen je 1.000 Mitarbeiter*innen entfielen im Jahr 2019 die drittmeisten Burnout-Krankheitstage auf die Altenpflege. Burnout in der Pflege und vor allem Altenpflege ist somit nichts Überraschendes. Was einem zum Denken geben sollte…
Quelle: Statista

Eine Statistik zu den top burnout gefährdeten Berufsgruppen

Burnout – ein Problem für alle Pflegekräfte weltweit

Auch in anderen Ländern als Deutschland haben Pflegekräfte mit dieser Erkrankung zu kämpfen. Ein großer Anteil an europäischen und amerikanischen Pflegekräften ist mit ihrer Situation unzufrieden. 36% der deutschen Pflegekräfte wollen sich einen neuen Job suchen, ganze 30% sagen, sie waren ausgebrannt. Und oft zeigt sich auch ein Zusammenhang zwischen dem Personalschlüssel, der Arbeitsumgebung und der Zufriedenheit der Patient*innen. Die Frustration von Pflegenden kann sich durchaus auf die Stimmung der Patient*innen auswirken. Diese beurteilten Kliniken und die Qualität der Pflege besser, wenn auch Pflegekräfte gute Noten vergeben hatten.

Die „innere Kündigung“ von Pflegekräften bei Unzufriedenheit bringt einen Verlust von Mitgefühl und Empathie mit sich. Das kann fatale Folgen haben, wie heimliche oder sogar offene Aggressionen gegenüber den Patient*innen und Bewohner*innen. Diese werden dann nicht selten vernachlässigt oder sogar fixiert. In drastischen Fällen greifen sogar Pflegekräfte zu starken Beruhigungsmitteln, um Patient*innen ruhig zu stellen. Unzufriedenheit und schlechte Arbeitsbedingungen können also nicht nur Burnout mit sich bringen, sondern auch Gewalt in der Pflege provozieren.

Passend dazu: Gewalt in der Pflege – Warum werden Pflegekräfte und Pflegebedürftige gewalttätig

Das sagt unsere Community dazu:

Pflegekraft Nadja über die derzeitige Lage in der Pflege und die Überlastung der Pflegekräfte durch Unterbesetzung

Warum sind vor allem Pflegekräfte von Burnout betroffen?

Menschen zu helfen, wenn sie es am Dringendsten nötig haben – das zeichnet den Beruf als Pflegekraft aus. Doch aufgrund des derzeitigen Pflegenotstands stehen Pflegekräfte unter hohem Druck. Statt acht Stunden müssen bis zu 13 Stunden gearbeitet werden. Der Mangel an Personal sorgt für Belastung. Eine Pflegekraft muss anstelle von einem/einer Patient*in im Schnitt 13 Patient*innen in der Tagschicht versorgen. Nachts steigt die Zahl sogar auf 19. Diese Umstände sorgen für Erschöpfung und das ist nur der deutsche Durchschnitt, der auch Wohngemeinschaften oder Einzelversorgungen mit einbezieht. In der Realität muss eine Pflegekraft deutlich mehr Patient*innen betreuen. Dies wirkt sich bei den Pflegekräften nicht nur im Beruf, sondern vor allem im Privatleben aus.

Symptome bei Burnout

Ein knappes Drittel der deutschen Pflegekräfte gilt als gefährdet. Klassisch bei dieser Krankheit: Nicht jeder erkennt sie selbst. Burnout bezeichnet das Gefühl des „Ausgebranntseins“ und beinhaltet drei Komponenten: Die emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung und ein reduziertes Leistungsvermögen.
Symptome die vor dem Burnout auftreten können sind unter anderem:

  • Müdigkeit & Erschöpfung
  • das Gefühl der Überforderung
  • das starke Wahrnehmung von Misserfolg
  • die abnehmende Belastbarkeit
  • innere Leere
  • Konzentrationsstörungen & Nervosität
  • Gleichgültigkeit & Antriebsschwäche
  • Zynismus, Reizbarkeit, Anspannung
  • Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit
  • körperliche Symptome wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen

Somit umfassen die Symptome sowohl aggressives, als auch depressives Verhalten, aber auch körperliche Belastung. Wer derartige Symptome bei sich bemerkt sollte keinesfalls zögern einen Spezialisten aufzusuchen.

Folgen von Burnout für den Betrieb

Eine unzufriedene Pflegekraft, die gestresst und nicht zufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen ist, kann aber auch negative Auswirkungen für den Betrieb mit sich bringen. Deshalb sollte mehr Wert auf die Zufriedenheit der eigenen Pflegekräfte gesetzt werden. Die Folgen von Burnout für den Betrieb können sein:

  • Eingeschränkte Leistungsfähigkeit und Motivation
  • Hoher Krankenstand
  • Mangelhafte Arbeitsqualität
  • Schlechtes Betriebsklima
  • Fluktuation
  • Vermeidbare Betriebskosten durch Ausfälle und schlechte Arbeit
  • Emotionale Vernachlässigung der Pflegebedürftigen

Was kann man gegen Burnout als Pflegekraft tun?

Es gibt einige Möglichkeiten um dem Zustand zu verbessern, sowohl von Seiten des Betriebes aus als auch als Pflegekraft selber. Dazu gehört, die Arbeitssituation zu ändern. Das muss nicht gleich bedeuten, einen komplett anderen Beruf zu ergreifen. Schon ein Wechsel in ein anderes Unternehmen oder etwa in die 1:1 Versorgung oder eine Intensivpflege-Wohngemeinschaft kann deutlich Entlastung mit sich bringen. Des weiteren sollten die eigenen sozialen Kontakte gestärkt werden. Freunde und Familie können in schwierigen Zeiten eine Unterstützung und ein guter Beistand sein. Zögere nicht, auf sie zuzugehen und schäme dich nicht für deine Krankheit. Eine Erholungspause zu machen kann eine weitere und sehr naheliegende Möglichkeit sein. Auch wenn du das Gefühl hast, auf der Arbeit läuft nichts ohne dich: Nimm dir die Zeit und mach deinem Arbeitgeber deutlich klar, warum du diese brauchst. Halte deine Ruhepausen strikt ein und mache eine Psychotherapie, wenn keine dieser Maßnahmen bei dir zu helfen scheint.

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