Liegt die Lösung des Pflegenotstands in der Sexindustrie?

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Symbolbild: weiblicher Roboter mit sinnlichem Blick
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Die Fortschritte in der Robotik wachsen Jahr für Jahr. Der Einsatz von Maschinen in all unseren Lebensbereichen kündigt sich an und auch für die Pflege gewinnt das Thema immer mehr an Relevanz. Denn wie könnte man dem Fachkräftemangel besser entgegenwirken, als mit Maschinen, die nicht an Arbeitszeiten gebunden sind, sondern qualifizierten Fachkräften rund um die Uhr assistieren können?

Zwei Branchen, unterschiedliche Ansätze

Doch wer einen Blick in die Wissenschaft wirft, erkennt vor allem eins: Das Geld fließt nicht nur in Forschungen, die dem allgemeinen Wohl dienen. Sie landen vor allem auch in der Unterhaltungsbranche und sogar immer mehr in der Sexbranche. Die Entwicklung von Sexrobotern erhält aktuell so viel finanzielle Unterstützung, wie kaum ein anderer Bereich, denn hier zeichnen sich enorme Gewinne ab! Auch der Forschungsschwerpunkt könnte sich kaum stärker von dem der Pflegeroboter unterscheiden: Der Fokus liegt hier auf einem möglichst menschlichen Aussehen, authentische Sprache und Charakterzüge. In der Pflege hingegen bedeutet Robotik reine Effizienz – das menschliche Aussehen steht hier ganz weit hinten auf der Prioritätenliste. Schnell vergessen die Suche nach der Lösung des Pflegenotstands.

Pflegeroboter: Viele Einsatzbereiche sind möglich

Doch wie ist der Einsatz von Roboter aktuell in der Pflege geplant? Einsatzbereiche gibt es viele, denn im Angesicht des Fachkräftemangels könnten Roboter gerade bei einfachen Pflege- und Betreuungsaufgaben gut unterstützen: Terminerinnerungen, Gesellschaftsspiele spielen, Nahrungsgabe, Medikamentengabe, Wasch- oder Putzarbeiten. Das sind die Aufgaben, die vom Ethikrat aktuell als Einsatzmöglichkeit abgesegnet wurden. Menschlichen Kontakt sollen die Maschinen aber auf keinen Fall ersetzen.

Sexroboter sind das Kontrastprogramm zu Pflegerobotern

Im Kontrast dazu steht die Sexrobotik: Hier zielt die Forschung bewusst darauf ab, eben jenen menschlichen Kontakt zu ersetzen. Laut des Nationalen Instituts für Bevölkerungsforschung sind in Japan rund 70 % der Männer zwischen 18 und 34 Jahren Single, fast die Hälfte von ihnen hat keinerlei sexuelle Erfahrungen. Der Grund: Durch die Digitalisierung sind idealisierte Frauenbilder entstanden, denen nur künstliche Frauen gerecht werden können. Ethikforscher*innen sind von dieser Entwicklung wenig begeistert: Sie sorgen sich um den Verlust der Empathiefähigkeit von Menschen und vermuten, dass realer Sex mit Menschen bald nur noch von Wenigen bevorzugt wird. Viele Expert*innen sagen auch voraus, dass sich Menschen in der Zukunft in Roboter verlieben und diese heiraten werden.

In der Studien von Kaspersky gaben 26 Prozent der Befragten gab an, dass sie sich vorstellen könnten, sich in ein KI-Programm zu verlieben, das auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. (Quelle: Forschung & Wissen)

Sexroboter bieten auch Chancen für Pflegebedürftige

Aimee van Wynsberghe ist Roboterethikerin an der Technischen Universität Delft und Präsidentin der Foundation for Responsible Robotics. Sie sieht Chancen in Sexrobotern, jedoch nicht in dem Bereich, in dem sie aktuell genutzt werden: „Ich glaube, wenn wir richtig mit ihnen umgehen, können wir als Gesellschaft davon wahnsinnig profitieren. Denken Sie etwa an alte Menschen oder Menschen mit Behinderung, die Schwierigkeiten haben, Sexualpartner zu finden, und sich deshalb Sex mit Robotern wünschen.“ (Quelle: vdi Nachrichten)

Warum ist die Pflege so zurückhaltend beim Einsatz von Robotern?

Wenn man diese Entwicklungen betrachtet stellt sich vielleicht die Frage: Wenn Roboter schon jetzt menschliche Beziehungen ersetzen können und das sogar langsam gesellschaftlich akzeptiert wird – warum wird der Einsatz von Robotern in der Pflege dann noch immer kritisch gesehen? Bisher wurden Pflegeroboter wie „Pepper“ bewusst nicht menschlich gestaltet, obwohl die Möglichkeiten definitiv bestehen. 73% der Pflegekräfte aus unserer Community sind sich sicher: Menschliche Nähe und Zuneigung können sie nicht ersetzen. Die Forschungen der Sexrobotik scheinen hier aber einen anderen Trend aufzuzeigen. Denn wenn die Liebe zu einem Roboter möglich ist – warum dann nicht auch eine herzliche Pflege?

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Pflegekräfte sind nur schwer zu überzeugen

Generell scheint die Skepsis in der Pflegebranche gegenüber dem Robotik-Trend sehr groß zu sein, denn in unserer Community meinten 53% der Pflegekräfte, dass sie in Künstlichen Intelligenzen nicht die Lösung des Personalmangel sehen, obwohl diese doch einen großen Teil der täglichen Aufgaben übernehmen könnten. Nur rund ein Drittel würde sich selbst oder seine Angehörigen von einem Roboter auch pflegen lassen. Pflegekraft Mieke ist sich sicher: „Als Unterstützung okay, aber ersetzen können Roboter uns nicht!“ Auch Alexandra meint: „Kein Roboter kann uns Menschen ersetzen!“

Der Fortschritt macht vielen Angst – dabei ist das Potenzial doch so groß!

Schweizer Forscher haben genau das auch untersucht: Rund 1.000 Berufe nahmen sie unter die Lupe und entwickelten einen “Automatisierungsrisiko-Index”, kurz ARI. Dieser Index kann die notwendigen Fähigkeiten in einem Beruf erkennen und einschätzen, wieviel davon von einer Maschine erledigt werden könnten. Das Risiko, selbst von Robotern ersetzt zu werden, kann man auf einer Website prüfen, die die Forscher aufgesetzt haben. Die verschiedenen Berufsfelder von Kranken- und Altenpfleger*innen landen hier meistens bei einem Wert von ca. 59%. Also lassen sich ca. 59% dieses Berufes automatisieren. Eine ordentliche Zahl, oder? (Quelle: web.de)

Was meint ihr - sollten auch Pflegeroboter mehr vermenschlicht werden, um echte Menschen ersetzen zu können?

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