Pflege: Kann Liebe am Arbeitsplatz funktionieren?

Die große Liebe am Arbeitsplatz zu finden ist längst keine Seltenheit mehr. Aus einer repräsentativen Studie geht hervor, dass 42% aller Befragten bereits einmal mit einem Arbeitskollegen oder einer Arbeitskollegin ausgegangen ist. Neben der Ausbildung und dem Freundeskreis gilt die Arbeit als die drittgrößte Partnerbörse für Singles. Das verwundert kaum, wenn man bedenkt, das die meisten Menschen den Großteil ihrer aktiven Zeit auf der Arbeit verbringen. Auch in der Pflege haben sich viele Partner*innen kennen und lieben gelernt. Auch hier kann das einige Herausforderungen mit sich bringen.

 

Möglich, aber auch manchmal kompliziert

Pflegekräfte verbringen (besonders aktuell) viel Zeit auf ihren Stationen und im Dienst. Der Zusammenhalt im Team ist groß, man tauscht sich regelmäßig aus und eine enge Beziehung zu allen Teammitgliedern gehört für viele mit dazu, um gut und harmonisch zusammenarbeiten zu können. Das Problem: Hier kriegt jeder schnell alles mit. PKM-Communitymitglied Sarah kennt das nur zu gut: „Über Flurfunk kriegt man vieles mit, wer mit wem gerade etwas am Laufen hat. Um sich auf Jemanden einzulassen, der auch im selben KH arbeitet, braucht es starke Nerven und ein gutes Selbstbewusstsein.“ Deshalb wäre eine Beziehung am gleichen Arbeitsplatz für Sie keine Option. Carmen hat hier andere Erfahrungen gemacht. Sie lerne über ihren Job auch ihren Partner kennen. „Heute sind wir immer noch glücklich, haben eine 10-jährige und eine 6-jährige Tochter“, erzählt sie.

Heimlich verliebt

Ob eine Beziehung im Pflegejob möglich ist, scheint also auch eine Typfrage zu sein. Aber auch das Arbeitsumfeld spielt eine wichtige Rolle bei dieser Frage. Sobald erste Gefühle füreinander entstehen, wird es für die Verliebten häufig kompliziert. Aus Angst den Reaktionen der anderen verheimlichen die frisch verliebten Pfleger*innen ihre Beziehung zu Anfang sehr häufig. Neben den Reaktionen der Kolleg*innen spielt manchmal sogar die Angst um eine mögliche Versetzung oder gar eine Kündigung oft eine entscheidende Rolle bei der Vertuschung. Diese Angst ist jedoch völlig unbegründet. In Deutschland hat nach Artikel 2 Absatz 1 im Grundgesetz jeder Mensch das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Da Beziehungen privat sind, ist es dem Arbeitgeber nicht möglich, aus diesem Grund zu kündigen oder die Beziehung zu verbieten. Einige Arbeitgeber stehen Beziehungen sogar sehr positiv gegenüber. Denn bewiesenermaßen steigert eine Beziehung häufig die Motivation und die Empathie für die Kolleg*innen im stressigen Alltag.

ABER: Die Arbeitsleistung darf in keinster Weise unter der Beziehung leiden. Wer also durch die frische Beziehung bei der Behandlung der Patient*innen abgelenkt ist und Fehler macht, muss mit Konsequenzen rechen.

Privates und Arbeit sollten getrennt werden

In Beziehungen kann es auch mal krachen. Wenn man sich dann neben dem Privaten auch noch auf der Arbeit ständig sieht, kann das zu Komplikationen führen. Ebenso wenig wie Streit gehören übertriebene Zuneigungsbekundungen an den Arbeitsplatz. Hierbei können sich Kollege*innen schnell ausgeschlossen fühlen. Darunter würden das Arbeitsklima , sowie das Teamgefühl stark leiden. Daher gilt: Privates muss strikt von Beruflichem getrennt werden.
Genauso sollte man die Arbeit nicht mit nach Hause bringen: Wer auf der gleichen Station oder in der gleichen Klinik tätig ist, neigt vielleicht dazu, zuhause zu viel über berufliche Dinge zu reden. Das Abschalten nach dem Feierabend wird so bedeutend erschwert, au0erdem kann sie die Zweisamkeit in den Hintergrund rücken.

Tipp: Eine Versetzung auf eine andere Station oder eine Abänderung des Dienstplans können hier die benötigte Distanz schaffen. Wem das nicht reicht, der kann auch über eine neue Stelle bei einem anderen Arbeitgeber nachdenken.

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Liebe in der Pflege

Hierarchien nicht außer acht lassen

Besonders knifflig kann es werden, wenn man eine Beziehung eingeht, die über die hierarchischen Strukturen hinausgeht. Ein konkretes Beispiel wäre die Beziehung zwischen Stationsleitung und Pfleger*in. Hier kann es schnell passieren, dass sich andere Kolleg*innen benachteiligt fühlen, wenn die private Beziehung nicht strikt von der Arbeit getrennt werden. Das bedeutet, es sollte während der Arbeitszeit beispielsweise auf Kosenamen oder andere Liebesbekundungen verzichtet werden. Zudem darf die Person selbstverständlich auch nicht durch den Dienstplan bevorteilt werden. Ein offener Umgang mit der Beziehung kann auch hier positiven Einfluss haben und Lästereien vorbeugen.

 

Argumente für die Liebe

Auf Facebook und Instagram haben wir euch gefragt, wie eure persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema sind. Auf unsere Frage „Habt ihr euren Partner auf der Arbeit gefunden?“ antworteten 20 mit JA (14%) und 121 mit NEIN (86%). Unsere nächste Frage lautete: „Hat der Partner mehr Verständnis, wenn er aus derselben Branche kommt?“. Hier war das Ergebnis weniger stark ausgeprägt, eine Mehrheit von 61% stimmte hier jedoch für NEIN.

Das letzte Ergebnis zeigt gut, dass es durchaus Vorteile haben kann, wenn beide Partner in der Pflege arbeiten. Man hat generell mehr Verständnis für die berufliche Situation des anderen, teilt die gleiche Leidenschaft, anderen Menschen helfen zu möchten, und kann sich gegenseitig in schwierigen Zeiten stützen, weil man ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Der stressige Arbeitsalltag, die Überstunden und die Erschöpfung nach Feierabend kennt der Partner auch und hat deshalb mehr Verständnis dafür. Auch bei Themen wie dem Tod oder anderen psychischen Belastungen kann er/sie besser Beistand leisten. Gewisse Konflikte aufgrund der beruflichen Situation sind also unwahrscheinlicher.

Quellen:

MDR: https://www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/recht/quicktipp-liebe-am-arbeitsplatz-100.html
Pflegemagazin: https://www.pflegemagazin-rlp.de/wenn-sich-kollegen-verlieben

Blog.Viking: https://blog.viking.de/studie-beziehungen-am-arbeitsplatz/
Pflegebibel: https://die-pflegebibel.de/2017/03/29/beziehungen-am-arbeitsplatz/


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