Von wegen Entlastung: Monatlicher Eigenanteil für Pflegeheime steigt

Charline Charline Baselt
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Senior sitzt im Rollstuhl und wird von Pflegekraft geschoben
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Bei der Pflege zuhause kommen Angehörige oftmals an ihr Limit. Früher oder später muss der zu pflegende Patient oder die zu pflegende Patientin in ein Pflegeheim. Das ist ein schwerer aber vor allem auch kostenintensiver Weg. In Niedersachsen und Bremen haben die Kosten der monatlichen Zuzahlung ordentlich angezogen und auch der bundesweite Check fällt nicht gut aus. Eigentlich sollte der Eigenanteil für Pflegeheime durch Entlastungszuschläge gesenkt werden, nun geht die Rechnung wieder nicht auf.

 

Eigenanteil steigt

Trotz neuer Entlastungszuschläge steigt der Eigenanteil für Pflegeheime 2023 an. Im Landesdurchschnitt waren, am 1. Januar 2023, in Niedersachsen 2319€ pro Monat selbst zu tragen. Dies ergab eine Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). Das waren in Summe 381€ mehr als im vergangenen Jahr. In Bremen sind es 136€ mehr als 2022, nämlich 2411€ pro Monat. In Saarland sieht das Ganze noch drastischer aus: hier sind insgesamt 2782€ monatlich aus eigener Tasche zu zahlen. In Sachsen-Anhalt dagegen 1823€. Bundesweit müssen Pflegebedürftige im Schnitt 2411€ pro Monat selbst zahlen. Das sind 278€ monatliche Mehrkosten – ein saftiger Betrag. Begründet wird der Anstieg durch die steigenden Kosten für Lebensmittel und Personalkosten.

Längerer Heimaufenthalt bringt Entlastung

Die sogenannten Entlastungszuschläge greifen mit vollem Potenzial erst, wenn Pflegebedürftige länger im Heim unterkommen. Ab dem vierten Jahr Heimaufenthalt steigt die Zuzahlung in Niedersachsen so um 195€, auf nun 1549€. Im bundesweiten Vergleich steigen die Zuschläge um 130€, also auf 1672€. Eigentlich eine gute Sache, doch leider nicht mehr so viel wert, wenn der Eigenanteil gleichzeitig steigt.

Kosten über Kosten

Die Summen des Eigenanteil enthalten ausschließlich die reine Pflege und Betreuung. Die Pflegeversicherung, anders als die Krankenversicherung, trägt nur einen Teil. Den anderen haben die Heimbewohner*innen selbst zu tragen, sprich Kosten für Unterkunft, Verpflegung aber auch Investitionen für die Einrichtung.

Ursprünglich sollten die Entlastungszuschläge – wie der Name es schon erahnen lässt – den Eigenanteil für Pflegeheime dämpfen. Diese Rechnung geht nun leider nicht gänzlich auf. Zwar entlastet dies die eigene Geldbörse, jedoch nicht wie zuvor gewünscht.

Der Aufenthalt in Pflegeheimen dürfe niemanden in die Sozialhilfe treiben

Hanno Kummer, Leiter der vdek-Landesvertretung Niedersachsen findet hier klare Worte: „Es ist völlig richtig, Pflegekräfte fair und angemessen zu bezahlen.” Doch er betont auch, dass die Politik endlich dafür sorgen müsse, dass der Eigenanteil die Menschen nicht in die Sozialhilfe drängen darf. Daher müsste es auf Bundesebene zu einer Pflegereform kommen. Des Weiten fordert Kummer: „dass das Land die Investitionskosten, so wie auch für die Krankenhäuser übernimmt”. Damit meint er vor allem Kosten für Instandhaltung der Gebäude oder der Ausstattung. Derzeit liegen diese Kosten, beispielsweise in Niedersachsen, bei ca. 506€ pro Monat.

Auch Ulrike Elsner, Chefin des Ersatzkassenverbands fordert eine Veränderung. Sie spricht von einer „Pflegereform in einem Guss”. Wir sprechen hier von einem durchdachten Finanzierungskonzept mit fest verankerten aber auch dynamisierten Steuerzuschüssen.

Hintergrund der steigende Kosten

Im September letzten Jahres wurde der Tarifvertrag für die Pflege beschlossen und das Personal muss nach Pflegekassen abgerechnet werden. Diese Änderung gemeinsam mit steigenden Lebensmittelkosten sollen die steigenden Zuschläge rechtfertigen.

 

Quelle: dpa/devk

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