29 Jun 2023

Pflegesysteme im Vergleich: Deutschland vs. Norwegen

Pflegesystem in Norwegen
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Die zunehmende Bedeutung der Pflege in unseren Gesellschaften ist unausweichlich. Der demografische Wandel und der stetige Anstieg der Pflegebedürftigkeit stellen verschiedene Pflegesysteme vor große Herausforderungen. Obwohl das Pflege- und Gesundheitssystem Deutschlands in entsprechenden Rankings oft gut abschneidet, kann es mit den skandinavischen Ländern Schweden und Norwegen nicht mithalten, die zu den weltweit besten zählen. Aus diesem Grund werfen wir in diesem Blogartikel einen genauen Blick auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Pflegesysteme in Deutschland und Norwegen.

Verschiedene Gesundheitssysteme: Bismarck-Modell vs. Beveridge-Modell

Das Gesundheitssystem in Deutschland basiert auf dem Bismarck-Modell, einem Sozialversicherungssystem, bei dem die Finanzierung der Gesundheitsleistungen über die gesetzlichen Krankenversicherungen erfolgt. Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen zahlen also Beiträge zur Finanzierung von Gesundheits- und Sozialleistungen. 

Auf der anderen Seite folgt Norwegen dem Beveridge-Modell, dass auf dem Prinzip der staatlichen Verantwortung für die Bereitstellung von Gesundheits- und Sozialleistungen beruht. Die Finanzierung erfolgt hier durch Steuern, die von der gesamten Bevölkerung erhoben werden. 

Ein großer Vorteil des Beveridge-Modells liegt darin, das alle Bürger*innen durch ihre Steuerbeiträge zum Gesundheitssystem beitragen und eine gesicherte Versorgung erwarten können. Deutschland hingegen kann mit seinem Angebot punkten: Es gibt eine Vielzahl an Medikamenten, alternativen Heilmethoden und Therapieformen, da die Beteiligung privater Anbieter im Gesundheitssystem ebenfalls gestattet wird. Zudem verwendet Deutschland eine Einteilung in fünf Pflegegrade, um die Pflegeleistungen individuell anzupassen. In Norwegen gibt es keine Pflegegrade, sondern eine allgemeine Pflegeversicherung, die verschiedene Dienstleistungen abdeckt und wo jeder einen Anspruch darauf hat.  

Attraktivitätsverlust des Pflegeberufes im Vergleich zu Norwegen

Die immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen und die damit verbundene Belastung in der Pflege verstärken den Pflegenotstand und führen zu einem zunehmenden Attraktivitätsverlust des Pflegeberufs in Deutschland. Das spiegelt sich auch im Alltag der Pflegekräfte wider. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung betreut eine Pflegekraft in Deutschland im Durchschnitt fast doppelt so viele Pflegebedürftige als eine Pflegekraft in Norwegen. Je mehr Pflegebedürftige gleichzeitig betreut werden müssen, desto schlechter sind die Arbeitsbedingungen für die Pflegefachkräfte.
Im Gegensatz dazu besteht in Norwegen kein akuter Fachkräftemangel in der Pflege, da der Beruf dort beliebter ist und das Gehalt im Vergleich zu Deutschland höher ausfällt.

Norwegen setzt auf eine akademische Ausbildung im Vergleich zu Deutschland

In den skandinavischen Ländern, einschließlich Norwegen, wird ein hoher Stellenwert auf eine umfangreiche Qualifizierung im Pflegebereich gelegt. Das spiegelt sich darin wider, dass die meisten Pflegekräfte dort einen Bachelorabschluss besitzen und viele sogar einen zusätzlichen Masterabschluss vorweisen können. Im Gegensatz dazu ist die dreijährige Pflegeausbildung in Deutschland eher weniger anspruchsvoll und setzt nur die Mittlere Reife voraus. Durch die Akademisierung und den höheren Abschluss sind die Pflegekräfte in Norwegen dazu berechtigt, Aufgaben zu übernehmen, die in Deutschland nur Ärzt*innen vorbehalten sind. Dies umfasst zum Beispiel die Überweisung von Patient*innen und auch die selbstständige Verschreibung von Medikamenten. Die erweiterten Kompetenzen machen den Pflegeberuf in Norwegen attraktiver und gewährleisten eine hohe Pflegequalität.

Wie beurteilt ihr das Pflege- und Gesundheitssystem in Deutschland?

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