Wir beantworten eure Fragen zur Corona-Schutzimpfung

Der bundesweite Impfprozess gegen das Coronavirus ist in vollem Gange. Noch fehlen trotz mehreren zugelassenen Impfstoffen viele Impfdosen. Zusätzlich gibt es auch unter dem medizinischen Personal noch viele, die einer Impfung skeptisch gegenüber stehen. Wir haben die Pflegecommunity gefragt, wie sie zur Impfung stehen. In unserer Umfrage auf Instagram gaben 39% an, sich nicht impfen lassen zu wollen. Dabei können sogar 80% verstehen, warum man sich nicht impfen lasen möchte. 91% gaben an, sich mehr Aufklärung zu dem Thema Impfung zu wünschen. Deshalb beantworten wir eure meist gestellten Fragen rund um die Coronaschutzimpfung.

 

Sind die mRNA-Impfstoffe genverändernd?

Einer der häufigsten Gründe für die Bedenken sich impfen zu lassen, ist die Sorge, dass die mRNA-Impfstoffe unsere Erbinformationen verändern könnten. Tatsächlich ist es aber so, dass keiner der zugelassenen Impfstoffe genverändernd ist – weder die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderne, noch der Vektorimpfstoff von AstraZeneca. Entgegen der Behauptung, eine Impfung würde unser Erbgut verändern, gibt es hierfür auch eine biologische Erklärung. Die mRNA-Impstoffe funktionieren so: Bei der Impfung wird genau der Teil der Virus-RNA, also das Spike-Protein in die Körperzellen eingeschleust, der eine Immunantwort auslöst, für sich genommen aber harmlos ist. Die RNA wird vom Immunsystem erkannt und bildet Antikörper, die uns dann bei einer echten Infektion vor dem Virus schützen. Währenddessen wird die RNA vom Impfstoff in der Zelle zerstückelt und abgebaut, sie bleibt also nicht dauerhaft in unserem Körper.
Aber kann die RNA unsere Erbinformationen verändern? Diese Angst ist völlig unbegründet. Der Bauplan für das Spike-Protein, also der Teil der Virus-RNA, der mit dem Impfstoff verabreicht wird, kommt bei einer Infektion selbstverständlich auch in die Zelle. Dieser Logik folgend müsste eine Infektion daher ebenso unser Erbgut verändern wie eine Impfung. Doch diese Annahme ist schlichtweg falsch. Unsere DNA befindet sich nämlich geschützt im Zellkern, während der gesamte Prozess mit der RNA im Zellplasma stattfindet. Virus-RNA und unsere Wirts-DNA kommen also nicht miteinander in Kontakt – es ist keine Veränderung unserer DNA möglich.

Wurde genügend geforscht?

Bei unserer Umfrage habt ihr außerdem die Sorge geäußert, die Impfstoffe könnten vielleicht zu wenig erforscht sein. Auch diese Sorge ist unbegründet und zwar aus verschiedenen Gründen. Weil Covid-19 eine Pandemie von globalem Ausmaß ist, besteht ein globales Interesse an einer schnellen und guten Lösung. Dieses Bestreben paart sich mit riesigen finanziellen Ressourcen. Alleine die Bundesregierung stellte rund 750 Millionen Euro für die Impfstoffentwicklung zur Verfügung. Durch die besonders hohe Priorität und die enormen finanziellen Mittel konnten gewisse Prozesse der Entwicklung zeitlich parallel ablaufen und dadurch Zeit eingespart werden. Dabei hat die Qualität jedoch keineswegs gelitten. Alle Vorgaben, Prozesse und Kontrollverfahren, wie klinische Studien während einer Impfstoffentwicklung wurden dabei genauestens eingehalten und erfolgreich umgesetzt. An oberster Stelle standen hier, wie bei jeder anderen Entwicklung auch, die pharmazeutische Qualität, die Sicherheit und die Wirkung.
Zudem wurde bei der Forschung nicht am Nullpunkt begonnen. SARS und MERS sind ebenfalls Coronaviren, an denen bereits seit Jahren geforscht wird.
Hinzu kommt, dass es ein sehr hohes Infektionsgeschehen für die klinischen Studien von Vorteil ist, da man schneller eindeutigere Ergebnisse mit Hinblick auf die Wirkung und Nebenwirkungen erreichen kann.

Gibt es Nebenwirkungen und Langzeitfolgen?

Bei den Nebenwirkungen der Impfung darf nicht der Fehler gemacht werden, klassische Impfreaktionen überzubewerten. Impfreaktionen sind kleinere Nebenwirkungen, die meist 24-48 Stunden nach der Injektion abklingen. Dazu zählen u.a. Fieber, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen und ein allgemeines Unwohlsein. Diese Reaktionen treten nicht immer auf, bezeugen allerdings auch in erster Linie den Effekt der Impfung und die Reaktion des Immunsystems. Zu anderen Nebenwirkungen ist zu sagen, dass kein Impfstoff freigegeben wird, der nicht ausgiebig getestet wurde. Natürlich besteht immer ein geringes Restrisiko für (sehr) seltene Nebenwirkungen, die in der Testphase statistisch nicht signifikant waren. Diese bestehen aber auch bei allen anderen Impfstoffen.
Außerdem habt ihr uns häufig die Frage nach Langzeitfolgen der Impfung gestellt. Als Beispiel hierfür wird häufig die Schweinegrippeimpfung genannt, bei der ein Impfstoff namens „Pandemrix“ Narkolepsie ausgelöst hat. Die Narkolepsie trat dabei als Langzeitfolge auf, die Symptome jedoch bereits nach wenigen Monaten. Die Coronaimpfstoffe werden in klinischen Studien bereits seit Sommer 2020 getestet und bisher sind keine Symptome für langfristige Nebenwirkungen aufgetreten. Das bereits geringe Risiko einer Langzeiterkrankung jetzt durch weitere Tests zu verringern und damit den Impfstoff zurückzuhalten, würde in keinem Verhältnis zu den Folgen von Covid-19 stehen, die viel wahrscheinlicher und schwerwiegender sein können.

Sind die Impfungen gegen die Mutationen wirksam?

Mutationen von Viren entstehen, wenn sich die Viren vermehren. Dies tun sie, in dem sie in Wirtszellen sich selbst kopieren. Bei diesen Kopiervorgängen passieren Fehler, oft sind diese irrelevant aber manchmal kann es passieren, dass eine Mutation dabei ist die „besser“ ist als das echte Virus. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die britische Coronavirus-Mutante B117, die nach Angaben des RKI mittlerweile über 22 Prozent des Coronaanteils in Deutschland ausmacht.
Die Mutation ist ansteckender und nicht weniger gefährlich als das Original. Die Tests zeigen allerdings, dass aktuell alle drei Impfstoffe auch gegen die britische Mutante wirken.
Sollte das Virus weiter dahingehend mutieren, dass das Spike-Protein irgendwann nicht mehr vom Immunsystem erkannt wird, würde man vom sogenannten „Immune escape“ sprechen. Dieser Fall wird jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht eintreten. Dann müssten die Impfstoffe tatsächlich angepasst werden, was bei den genbasierten Impfstoffen schneller und einfacher wäre als bei Impfstoffen, die gezüchtet werden. Eher wäre eine Kreuzimmunität zu erwarten, das bedeutet das Virus mutiert so weit, dass die Impfung weiterhin wirkt und bei einer Infektion mit einem milderen Verlauf rechnen könnte.

Was bedeutet eine prozentuale Impfeffektivität?

Eine prozentuale Angabe zur Impfeffektivtät ist folgendermaßen zu erklären: Der AstraZeneca Impfstoff hat eine Impfeffektivität von 70%. Das ist weniger als bei den mRNA-Impfstoffen, wo die Effektivität bei bis zu 95% liegt. 70% sind dennoch immer noch sehr viel. Insgesamt waren knapp 24.000 Probanden an der Studie des AstraZeneca Impfstoffes beteiligt. In der Studie erkrankten im Schnitt 18 von je 1000 nicht geimpften Probanden an Corona. Bei den geimpften Teilnehmer*innen waren es nur 5 von 1000 Personen, die erkrankten – Im Vergleich also 70% weniger. Daher kommt die Prozentuale Angabe der Impfeffektivität.

Ist der AstraZeneca Impfstoff schlechter?

Beim AstraZeneca Impfstoff ist die Effektivität zwar geringer, jedoch bedeutet dies nicht unbedingt, dass er schlechter ist als eine mRNA-Konkurrenz. Das „Geheimnis“ einer effektiven Impfung der Bevölkerung liegt darin, dass Personen die passende Impfung für sich erhalten. So sollten die Risikogruppen, die eine höhere Chance haben an Corona schwer zu erkranken, den Impfstoff mit der 95-prozentigen Effektivität erhalten. Jüngere Menschen erhalten dafür den weniger wirksamen Impfstoff, da auch ihr Infektionsrisiko im Vergleich geringer ist. So lassen sich die Infektionsrisiken in allen Gruppen klein halten.

Macht die Impfung unfruchtbar?

Auch das Thema Unfruchtbarkeit taucht besonders in den Sozialen Medien häufig im Zusammenhang mit der Impfung auf. Im Laufe der Zeit gab es solche Aussagen zu verschiedenen Impfstoffen. Häufig wird behauptet, das Spike-Protein der Virus-DNA würde so stark dem körpereigenen Protein Syncytin 1 ähneln, das benötigt wird, um im Zuge einer Schwangerschaft eine Plazenta bilden zu können. Die Immunreaktion würde beide Proteine gleichermaßen attackieren und neutralisieren. Diese Aussage stimmt jedoch nicht. Denn das Spike-Protein gelangt als Teil des Virus auch bei einer Infektion in den Körper, der als Reaktion Antikörper bildet. Dieser Theorie zufolge müsste also die Infektion mit Covid-19 ebenso unfruchtbar machen, wie die Impfung. Das Argument, dass das Immunsystem Proteine miteinander verwechseln kann stimmt zwar, doch die Ähnlichkeiten in den Aminosäureketten sind hier viel zu gering.

Auf YouTube finden sich gute Erklärvideos

Eine gute Zusammenfassung der populärsten Fragen und Antworten zum Impfstoff liefert die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim auf dem YouTube-Kanal maiLab.
Hier wird beispielsweise erklärt, warum der mRNA-Impfstoff keine Auswirkungen auf das Erbgut der Geimpften hat und warum die Entwicklung des Impfstoffes so schnell möglich war.
Viele junge Frauen stellen sich außerdem die Frage, ob eine Impfung Auswirkung auf ihre Fruchtbarkeit hat. Diese Frage beantwortet Martin Moder von der Wissenschaftskabarettgruppe Science Busters in einem YouTube-Video des Robert Koch-Institutes ganz genau.

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