Tod und Trauer in der Corona-Krise: Niemand sollte alleine Sterben

Das Coronavirus bedroht weiterhin unser gesellschaftliches Leben. Während des ersten Lockdowns wurden viele Maßnahmen getroffen, die zur Eindämmung des Virus führen sollten. Die gesellschaftliche Isolation, besonders bei Risikopatient*innen war bei diesen Maßnahmen oft unumgänglich. Das führte dazu Menschen die dem Virus erlagen, allein waren als sie starben.
Patient*innen und Angehörige hatten nicht die Möglichkeit die letzten Tage miteinander zu verbringen, sich zu verabschieden.

Todeszahlen steigen

Bereits seit Wochen ist die Tendenz der Todeszahlen durch das Coronavirus steigend. Nach Angaben der John Hopkins University sind weltweit bereits rund 1,6 Millionen Menschen im Zusamenhang mit einer Covid-19-Erkrankung verstorben, darunter über 22.000 Deutsche (Stand: 14.Dezember). Davon wurde ein großer Anteil in Einrichtungen verzeichnet, in denen Menschen zum Infektionsschutz von der Gesellschaft und ihren Angehörigen isoliert wurden. Dazu zählen Gefängnisse, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Die Deutung dieser Zahlen im Vergleich zu anderen Daten und Krankheiten geht bei vielen Meinungen weit auseinander. Was jedoch keinen Interpretationsspielraum lässt, ist der Tod vieler Menschen durch das Virus. Kein Mensch sollte alleine sterben müssen. Besonders für Angehörige ist die Machtlosigkeit in diesen Fällen nur schwer zu ertragen.

Hinter den Zahlen stehen persönliche Einzelschicksale

Viele Schicksale sind von den Betroffenen kaum auszuhalten. Georgios Vaidis verlor seinen Vater ohne ihn noch einmal im Krankenhaus in Stuttgart besuchen zu können. Die einzige Möglichkeit für den Kontakt war das Telefon der Klinik in Stuttgart. „Ich habe immer gehofft, ich konnte nicht mehr schlafen. Ich dachte nur – Hoffentlich klingelt das Telefon nicht“, erzählt er im Interview mit dem heute-journal. Den Tod seines Vaters zu verkraften, ohne Abschied genommen zu haben, dieses Schicksal hat niemand verdient.

Hier zum Video des heute-Journals:

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/tod-und-trauer-in-corona-zeiten-100.html

Menschlichkeit darf bei Entscheidungen nicht vernachlässigt werden

Bei allen Entscheidungen rund um Maßnahmen zum Infektionsschutz darf die Menschlichkeit nicht vernachlässigt werden. Während des ersten Lockdowns gab es teilweise Besuchsverbote für Pflegeeinrichtungen oder Kliniken. Während Menschen an dem Virus erkrankten oder bereits im Sterben lagen, wurden Besuche durch Angehörige zeitlich begrenzt oder nur durch eine Glasscheibe getrennt möglich. Nicht nur für die Menschen, die ihren zum Teil letzten Kampf nicht im Kreise ihrer Liebsten austragen konnten, ist das kein würdiger Abschied. Auch für die Angehörigen ist die Machtlosigkeit ein Familienmitglied nicht auf dem Todesweg begleiten zu können, sehr schwer zu ertragen. Langfristig kann dies zu psychischen Erkrankungen bei den Hinterbliebenen führen. Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen sind häufige Folgen von sozialer Isolation. Die möglichen Schuldgefühle in einer derartigen Situation können sich sicherlich negativ auf die Psyche auswirken. Für die Zukunft und einen zweiten Lockdown ist es wichtig, dass man daraus lernt und sich besser auf solche Situationen vorbereitet, um liebende Menschen am Scheideweg des Todes noch ein letztes Mal zusammenzuführen.

 

Quellen:
ZDF: https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/tod-und-trauer-in-corona-zeiten-100.html

DW:https://www.dw.com/de/tod-und-trauer-in-der-corona-krise-keiner-soll-alleine-sterben/a-55407605
Statista: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1100818/umfrage/todesfaelle-aufgrund-des-coronavirus-2019-ncov-nach-laendern/
WDR: https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/corona-todesfaelle-100.html